◆ STADT · FRANZÖSISCHE ALPEN
Lyon ist keine Stadt, die man im Vorbeigehen erledigt – sie ist eine, durch die man sich isst, von Bouchon zu Bouchon, von Traboule zu Traboule. An der Mündung von Rhône und Saône, zwischen den ockerfarbenen Renaissancefassaden des Vieux Lyon und den steilen Treppengassen der einstigen Seidenweber, hat sich die heimliche Hauptstadt des französischen Genusses entfaltet. Über allem thront weiß und unübersehbar die Basilika von Fourvière, von deren Esplanade der Blick über ein Dächermeer bis zu den Alpen reicht. Und wenn am Abend in den bouchons die Karaffen mit Beaujolais auf den Tisch kommen und der Duft von quenelles durch die engen Gassen zieht, versteht man, warum Lyon für viele Franzosen die beste Stadt zum Essen im ganzen Land ist.
Lyon trägt seine Geschichte in Schichten. 43 v. Chr. gründeten die Römer auf dem Fourvière-Hügel Lugdunum, die Hauptstadt der drei gallischen Provinzen – zwei Kaiser, Claudius und Caracalla, wurden hier geboren. Noch heute ducken sich zwei antike Theater in den Hang, in denen im Sommer die Nuits de Fourvière gefeiert werden. Vom Hügel rollt die Stadt hinab zur Saône, an deren Ufer sich das Vieux Lyon ausbreitet: das größte zusammenhängende Renaissanceviertel Frankreichs, ein Gewirr aus Innenhöfen, Wendeltreppen und den berühmten Traboules – überdachten Durchgängen, die Häuser und Straßen heimlich miteinander verbinden und einst den Seidenhändlern den trockenen Transport ihrer Ballen sicherten.
Denn Lyon war jahrhundertelang die Welthauptstadt der Seide. Auf dem Hügel der Croix-Rousse, dem zweiten der beiden Stadthügel, lebten und arbeiteten im 19. Jahrhundert die canuts, die Seidenweber, in hohen Werkstattwohnungen mit großen Fenstern für die lauten Jacquard-Webstühle. Ihre Aufstände gehören zur Sozialgeschichte Frankreichs; ihr Erbe lebt im riesigen Trompe-l'œil des Mur des Canuts und in den steilen Treppen weiter, die das Viertel bis heute prägen. Zwischen den beiden Hügeln liegt die Presqu'île, die schmale Halbinsel mit den großen Plätzen, den Boulevards und der Place Bellecour, einem der größten Stadtplätze Europas.
Was Lyon aber wirklich zusammenhält, ist die Tafel. In den bouchons, den traditionellen Wirtshäusern mit karierten Tischtüchern, wird die deftige lyonnaiser Küche gepflegt – tablier de sapeur, quenelles de brochet, salade lyonnaise, dazu ein Glas Beaujolais aus dem Krug. Hier wachte die legendäre Generation der mères lyonnaises über die Töpfe, hier schuf Paul Bocuse in Collonges seine Legende, hier stehen heute mehr Sterneküchen als in fast jeder anderen französischen Stadt außerhalb von Paris. travelperfect empfiehlt, Lyon nicht durchzuhetzen: ein bouchon mittags, ein Spaziergang durch die Traboules am Nachmittag, ein langer Abend an der Saône – so schmeckt diese Stadt am besten.
01 · Auf einen Blick
· Stadtviertel
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02 · Rundgänge & Routen
Altstadt-Rundgang · Renaissance & Traboules
Das Vieux Lyon ist Europas größtes erhaltenes Renaissanceviertel – und ein Labyrinth. Der klassische Altstadt-Rundgang führt von der Kathedrale Saint-Jean mit ihrer astronomischen Uhr durch die geheimen Traboules, die Innenhöfe und Wendeltreppen heimlich miteinander verbinden. Höhepunkt ist die Traboule der Tour Rose und der lange Durchgang vom 54 rue Saint-Jean. Wer mag, nimmt die Standseilbahn hinauf nach Fourvière.
Bouchons & Märkte
Die lyonnaiser Küche ist deftig, ehrlich und stolz. In den bouchons gibt es salade lyonnaise mit pochiertem Ei, quenelles de brochet in Krebssauce, tablier de sapeur und cervelle de canut zum Abschluss, dazu Beaujolais aus dem pot lyonnais. Wer es feiner mag, pilgert zu den Halles de Lyon Paul Bocuse, dem überdachten Markttempel mit Austernbänken und den Käseständen von Mère Richard.
Seide & Croix-Rousse
Während Fourvière betet, arbeitet die Croix-Rousse: Hier webten im 19. Jahrhundert die canuts in hohen Werkstattwohnungen die Lyoner Seide. Heute klettert man die steilen Treppengassen hinauf, bewundert das riesige Trompe-l'œil des Mur des Canuts, besucht die Maison des Canuts mit ihren historischen Webstühlen und endet auf dem täglichen Markt am Boulevard – einem der lebendigsten der Stadt.
Flüsse & Confluence
Am Südende der Halbinsel, wo die beiden Flüsse zusammenfließen, ist mit La Confluence ein futuristisches Viertel entstanden, gekrönt vom kristallinen Musée des Confluences. Eine Bootsfahrt auf Saône und Rhône zeigt Lyon von seiner ruhigsten Seite; an warmen Abenden flanieren die Lyoner die umgestalteten Ufer der Berges du Rhône entlang, wo Bars auf alten Lastkähnen liegen.
03 · Wann
Lyon liegt im Rhônetal mit gemäßigt-kontinentalem Klima: warme, gelegentlich schwüle Sommer und kühle, oft graue Winter. Frühling und Frühherbst sind ideal, um die Stadt zu Fuß zu erkunden, ohne von Hitze oder Kälte ausgebremst zu werden. Ein eigenes Kapitel ist der Dezember: Zur Fête des Lumières verwandeln Lichtinstallationen die ganze Stadt – eines der schönsten Lichtfeste Europas, dann aber sehr voll und früh ausgebucht.
04 · Häufige Fragen
Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten sind das Vieux Lyon mit seinen geheimen Traboules, die Basilique Notre-Dame de Fourvière mit dem Stadtpanorama, die römischen Theater von Lugdunum, die weite Place Bellecour auf der Presqu'île, der Mur des Canuts auf der Croix-Rousse und das Musée des Confluences an der Flussspitze. Für eine kompakte Top-10-Runde verbindest du Fourvière, Vieux Lyon und die Presqu'île zu Fuß.
Lyon ist vor allem als Gourmet-Hauptstadt Frankreichs berühmt – für die bouchons, die mères lyonnaises und Paul Bocuse. Dazu kommen das römische Erbe als einstige Hauptstadt Galliens, die Seidenweber-Tradition der Croix-Rousse, das größte Renaissanceviertel Frankreichs im Vieux Lyon und die Fête des Lumières, eines der größten Lichtfeste Europas.
Für die Höhepunkte – Vieux Lyon mit den Traboules, Fourvière, die Presqu'île und ein, zwei bouchons – reichen zwei volle Tage gut aus. Wer Lyons Sehenswürdigkeiten an einem Tag abklappern will, konzentriert sich auf Fourvière und die Altstadt. Für Croix-Rousse, das Musée des Confluences und einen entspannten Genussabend plant man besser drei Tage ein.
Abseits der Top-Sehenswürdigkeiten lohnen sich die stillen Traboules der Croix-Rousse statt der überlaufenen im Vieux Lyon, der tägliche Markt am Boulevard de la Croix-Rousse, der Rosengarten im Parc de la Tête d'Or und der Abstieg von Fourvière über die Montée Nicolas de Lange. Auch ein bouchon in einer Seitengasse statt an der Rue Saint-Jean ist ein echter Geheimtipp.
Die Fête des Lumières findet jedes Jahr rund um den 8. Dezember an vier Abenden statt und verwandelt Plätze, Fassaden und Ufer in Lichtinstallationen – eines der eindrucksvollsten Stadtfeste Europas. Sie lohnt sich sehr, ist aber extrem gut besucht: Wer in diesen Tagen kommt, sollte Unterkunft und Restaurant Wochen im Voraus buchen.
Am einfachsten mit der Rhônexpress, einer roten Tram, die den Flughafen (LYS) in rund 30 Minuten mit dem Bahnhof Part-Dieu verbindet und tagsüber etwa alle 15 Minuten fährt. Von Part-Dieu erreicht man mit Metro und Tram jeden Stadtteil. Ein Taxi ins Zentrum dauert je nach Verkehr 30–45 Minuten.
05 · In der Nähe
Sagen Sie uns, worauf Sie Lust haben — wir planen Ihre Tage in Lyon.
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