Lyon ist die Stadt, in der Frankreich sich zu Tisch setzt. An der Mündung von Rhône und Saône, zwischen den ockerfarbenen Renaissancefassaden des Vieux Lyon und den steilen Gassen der einstigen Seidenweber auf der Croix-Rousse, hat sich eine Metropole entfaltet, die Genuss zum Lebensprinzip erhoben hat. Über allem thront die weiße Basilika Notre-Dame de Fourvière, von deren Vorplatz sich der Blick über die ganze Stadt bis zu den Alpen öffnet. Lyons Geschichte reicht zwei Jahrtausende zurück. Als Lugdunum war es Hauptstadt der römischen Provinz Gallien; die antiken Theater auf dem Hügel von Fourvière werden bis heute für Konzerte genutzt. Im Vieux Lyon, einem der größten zusammenhängenden Renaissance-Viertel Europas und UNESCO-Welterbe, durchziehen die Traboules das Häusergewirr – verborgene Durchgänge, durch die einst die Seidenhändler ihre Stoffe trockenen Fußes transportierten. Auf der Croix-Rousse, dem Hügel der canuts (Seidenweber), erinnern hohe Fenster und steile Treppen an die Zeit, als hier die Webstühle ratterten. Doch berühmt ist Lyon vor allem für die Küche. In den traditionellen bouchons werden herzhafte Spezialitäten serviert: quenelles (Fischklößchen), Andouillette, Salade lyonnaise und cervelle de canut, ein Kräuterquark. Die überdachte Markthalle Les Halles de Lyon Paul Bocuse trägt den Namen des Kochs, der die Stadt zur Gourmet-Hauptstadt machte. Hier reihen sich Käse-, Austern- und Charcuterie-Stände aneinander. Lyon ist überraschend grün und weitläufig: Der Parc de la Tête d'Or, einer der größten Stadtparks Frankreichs, lädt zum Spaziergang, während das moderne Viertel Confluence an der Flussspitze mit zeitgenössischer Architektur einen Kontrapunkt zur Altstadt setzt. Wer im Dezember kommt, erlebt die Fête des Lumières, bei der die ganze Stadt in Licht getaucht wird. Lyon verlangt keine Eile – man isst, bummelt und entdeckt sich durch die Schichten der Geschichte.






