Hinter einer rund zwei Kilometer langen Festungsmauer drängt sich die Altstadt Intra-Muros aus grauen Granithäusern dicht an den Atlantik. Der Spaziergang über die Wälle gehört zu den schönsten Erlebnissen der Bretagne: Auf der einen Seite fällt der Blick auf hohe Schieferdächer und enge Gassen, auf der anderen auf den weiten Strand von Le Sillon, das Fort National und die kleinen Gezeiteninseln Grand Bé und Petit Bé, die man bei Ebbe trockenen Fußes erreicht. Saint-Malo war über Jahrhunderte eine Stadt der Seefahrer, Reeder und Korsaren – staatlich beauftragter Kaperfahrer, die im Namen des Königs feindliche Schiffe aufbrachten. Ihr Reichtum prägt bis heute die hohen Granithäuser und die wehrhafte Anmutung der Stadt. Berühmte Söhne sind der Entdecker Jacques Cartier, der den Sankt-Lorenz-Strom befuhr, und der Schriftsteller Chateaubriand, der auf der Insel Grand Bé begraben liegt, mit Blick aufs offene Meer. Die Smaragdküste verdankt ihren Namen dem grünlich schimmernden Wasser. Hier erlebt man mit bis zu rund zwölf Metern einen der größten Tidenhübe Europas: Bei Springflut donnern die Wellen gegen den Deich von Le Sillon, bei Ebbe legt das Meer kilometerweite Sandflächen, Felsbecken und Wege zu den Inseln frei. Diese Gezeiten bestimmen den Rhythmus eines Besuchs – Strandbäder, Inselwanderungen und Spaziergänge richten sich nach den Tidetafeln. In den Gassen von Intra-Muros, das nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs originalgetreu wiederaufgebaut wurde, reihen sich Crêperien, Austernbars und Boutiquen. Wer Saint-Malo verstehen will, kombiniert den Mauerrundgang mit einem Teller bretonischer Galettes, einem Glas Cidre und einem Blick auf das Kommen und Gehen der Gezeiten.





