Wer Sanremo verstehen will, beginnt am Lungomare Imperatrice – jener eleganten Uferpromenade, die sich wie eine geschwungene Bühne vor dem Ligurischen Meer entfaltet. Palmen werfen lange Schatten auf den Asphalt, Radfahrer und Spaziergänger teilen sich den Weg, und in der Ferne glitzert das Wasser in einem Blau, das sich kein Farbmischer exakt mischen könnte. Dieser Streifen zwischen Stadt und Meer ist kein touristisches Konstrukt, sondern gelebter Alltag der Sanremesi.
Das eigentliche Centro zieht sich von der Promenade landeinwärts und überrascht mit einer Dichte an Gründerzeit-Architektur, die an die Belle-Époque-Blüte der Stadt erinnert. Das Casino Municipale, eines der ältesten Spielcasinos Italiens, thront mit seiner weißen Fassade über dem Corso Matteotti und setzt den Ton: großbürgerlich, selbstbewusst, mit einem Hauch Vergangenheit. Gleich daneben liegt die Villa Comunale, deren parkähnliche Anlage zum Durchatmen einlädt, bevor man sich wieder ins Gewimmel der Einkaufsstraßen stürzt.
Der Corso Matteotti selbst ist die Hauptschlagader des Viertels. Hier reihen sich Boutiquen, Cafés und Goldschmiedewerkstätten aneinander; morgens kaufen Einheimische beim Bäcker, mittags treffen sich Geschäftsleute zum Espresso, abends flanieren Familien in der typisch italienischen Passeggiata. Es ist diese Schichtung des Alltags, die dem Centro seinen Charakter gibt – keine künstliche Fußgängerzone, sondern ein Ort, der tatsächlich benutzt wird.
Für Architekturbegeisterte lohnt ein Abstecher zur Kirche San Siro, der ältesten Kathedrale der Stadt, deren dunkles Inneres einen schroffen Kontrast zur sonnenüberfluteten Promenade bildet. Wer lieber die Blumenmärkte erkundet, findet im Mercato dei Fiori einen der bedeutendsten Großblumenmärkte Europas – passend zu Sanremos Ruf als Città dei Fiori. Das Viertel ist damit gleichermaßen für Kulturreisende, Genussmenschen und all jene geeignet, die das klassische Norditalien-Feeling suchen: Meer, Kaffee, Geschichte und die Kunst des dolce far niente.

Casinò di Sanremo
Die 1905 im Jugendstil errichtete Spielbank über der Via Matteotti in Sanremo, eines der ältesten Casinos Italiens und zugleich Konzert- und Veranstaltungshaus.
1905 im Jugendstil nach Plänen von Eugène Ferret errichtet