Wer Meran kennenlernen möchte, ohne sich im Trubel der Kurpromenade zu verlieren, findet in Gratsch eine ganz andere Seite der Stadt. Das Viertel zieht sich die Hänge oberhalb des Stadtzentrums hinauf, eingebettet zwischen Weinbergen, Obstgärten und alten Herrenhöfen. Hier oben ist das Tempo langsamer, die Luft klarer, und die Aussicht über das Etschtal reicht an guten Tagen bis weit in die Vinschgauer Berge.
Gratsch liegt unmittelbar unterhalb von Schloss Tirol, dem Stammschloss der Grafen von Tirol, das dem gesamten Land einst seinen Namen gab. Wer den Weg dorthin zu Fuß antritt, passiert gepflegte Weinlagen und uralte Mauerwerk-Terrassen, die seit Jahrhunderten Reben tragen. Das Schloss selbst thront sichtbar über dem Viertel und gibt jedem Spaziergang eine historische Tiefe, die man in einer modernen Kurstadt nicht erwartet hätte.
Das Viertel selbst ist kein Ort der großen Touristenströme. Die Gassen sind schmal, die Häuser alt, viele Höfe noch bewirtschaftet. Wer morgens früh durch Gratsch läuft, begegnet eher Einheimischen auf dem Weg zum Weinberg als Reisegruppen. Genau das macht den Reiz aus: Gratsch ist ein Stück gelebtes Südtirol, kein inszeniertes.
Für Wanderer ist Gratsch ein idealer Ausgangspunkt. Der Weg zur Burgruine Forst, die Verbindung zum Tappeinerweg und die Route hinauf nach Dorf Tirol lassen sich alle direkt vom Viertel aus starten. Wer lieber in der Sonne sitzt, findet auf den Terrassen der hiesigen Buschenschänken lokalen Vernatsch und Lagrein, dazu Brettljausen mit Südtiroler Speck und gereiftem Käse. Die Gastlichkeit hier ist direkt und ohne Schnörkel.
Für Reisende, die in Meran übernachten und die Hektik der Innenstadt meiden wollen, bieten Hotels und Pensionen in Gratsch eine ruhige Alternative mit Panoramablick. Die Anbindung ans Zentrum ist gut, zu Fuß oder mit dem Bus sind es nur wenige Minuten hinunter in die Stadt.

Tappeinerweg
Der Tappeinerweg zieht sich rund 4 Kilometer fast eben am Südhang des Küchelbergs entlang: eine begehbare botanische Sammlung mit Agaven und Zypressen, dem Blick auf die Stadt und die Texelgruppe.
Rund 4 Kilometer fast ebene Höhenpromenade am Küchelberg