Wer zum ersten Mal durch die Via Roma spaziert, versteht sofort, warum Courmayeur seit Generationen Bergsteiger, Skifahrer und Genussreisende aus aller Welt anzieht. Die Hauptstraße des Dorfes ist kein gewöhnlicher Alpenort-Bummel: Hier drängen sich Boutiquen mit hochwertiger Bergausrüstung neben Bars, in denen Einheimische ihren Aperitivo trinken, während draußen die Gipfel des Mont-Blanc-Massivs das Panorama dominieren. Der Mont Blanc, mit 4.808 Metern der höchste Berg der Alpen, ist nicht irgendeine Kulisse – er ist der eigentliche Mittelpunkt des Ortes, sichtbar aus fast jeder Gasse, bei jedem Wetter anders beleuchtet.
Courmayeur liegt im Aostatal, dem westlichsten Winkel Italiens, und trägt diese Grenzlage wie ein Markenzeichen. Die Sprache wechselt zwischen Italienisch und dem lokalen Dialekt, die Küche verbindet valdostanische Tradition mit piemontesischen Einflüssen, und die Architektur zeigt jene charakteristischen Steinhäuser mit Holzbalkonen, die man sonst eher in der Schweiz vermuten würde. Das Dorf selbst ist überschaubar, fast intim – und genau das ist seine Stärke. Wer hier ankommt, findet keine gesichtslose Touristenfestung, sondern einen Ort, der noch weiß, wer er ist.
Im Winter verwandelt sich Courmayeur in eines der renommiertesten Skigebiete Italiens. Die Seilbahn Skyway Monte Bianco, die bis auf 3.466 Meter auf die Punta Helbronner hinaufführt, ist auch für Nicht-Skifahrer ein Erlebnis der besonderen Art: In den rotierenden Gondeln dreht sich der Blick über Gletscher, Felsgrate und – bei klarem Wetter – bis zur Côte d'Azur. Im Sommer hingegen wird das Tal zum Ausgangspunkt für Wanderungen auf dem berühmten Tour du Mont Blanc, einem der schönsten Fernwanderwege Europas, der durch drei Länder führt.
Abseits des großen Trubels lohnt sich ein Abstecher ins alte Ortszentrum rund um die Kirche Sant'Orso und die mittelalterlichen Gassen, die sich hinter der Via Roma verbergen. Hier, wo die Tagesausflügler selten hingelangen, liegt das eigentliche Gesicht Courmayeurs: ruhig, steinern, mit dem Geruch von Holzfeuern und frisch gebackenem Brot aus der örtlichen Bäckerei. Abends füllen sich die Bars der Via Roma wieder, Après-Ski trifft auf Dolce Vita – und der Mont Blanc leuchtet, wenn das Licht stimmt, in einem warmen Rosa, das keine Kamera wirklich einfangen kann.

Grandes Jorasses
Markantes Gipfelmassiv über dem Val Ferret mit berühmten Südwänden über 4.000 m.







