Wer das Val Veny zum ersten Mal betritt, versteht sofort, warum dieses Hochtal zu den eindrucksvollsten Naturräumen der gesamten Westalpen zählt. Das Tal öffnet sich südwestlich von Courmayeur und führt direkt in den Schatten des Mont Blanc – Europas höchstem Gipfel. Schon auf den ersten Kilometern wird klar: Hier ist die Natur der eigentliche Gastgeber.
Das Tal wird auf seiner gesamten Länge von mächtigen Gletschern flankiert. Der Glacier de la Brenva und der Miage-Gletscher sind von weitem sichtbar und prägen das Landschaftsbild auf unverwechselbare Weise. Der Miage-Gletscher ist besonders bemerkenswert, weil er bis in eine vergleichsweise niedrige Höhe reicht und von einer charakteristischen Moränenlandschaft umgeben ist. Wer morgens früh aufbricht, erlebt, wie das erste Licht die Eisfelder in warme Rosatöne taucht – ein Schauspiel, das sich kein Fotograf entgehen lassen sollte.
Das Tal ist nicht nur für Extrembergsteiger interessant. Entlang der Talstraße und auf gut markierten Wanderwegen erschließt sich eine außergewöhnliche Vielfalt: Almwiesen mit Blick auf die Aiguille Noire de Peuterey, ruhige Bergseen und der Lac du Miage, der sich im Sommer in ein tiefes Türkisblau kleidet. Die Hütten entlang des Weges – darunter das Rifugio Elisabetta Soldini – sind klassische Alpenhütten, in denen man nach einem langen Wandertag mit Polenta, Fonduta und einem Glas Vallée d'Aoste-Wein belohnt wird.
Für Wintersportler bietet das Val Veny exzellente Verhältnisse: Es ist direkt mit dem Skigebiet Courmayeur verbunden und gilt unter Tiefschneefahrern als eines der lohnendsten Reviere der Region. Im Sommer hingegen verwandelt es sich in ein Paradies für Trail-Runner, Mountainbiker und alle, die einfach in der Stille der Berge ankommen wollen. Das Val Veny ist kein Ort für schnelle Durchreisende – es ist ein Tal, das Zeit verlangt und Zeit schenkt.
