Wer Bozen jenseits des touristischen Treibens erleben möchte, sollte die Talfer überqueren und in Gries-Quirein eintauchen. Das Viertel liegt westlich der Innenstadt und entfaltet einen ganz eigenen Rhythmus: breit gesäumte Alleen, bürgerliche Villen aus der Gründerzeit und Weinberge, die sich bis an die Hausgärten heranschmiegen. Hier wohnt Bozen, nicht nur Bozen für Touristen.
Das unbestrittene Herzstück des Viertels ist das Benediktinerkloster Muri-Gries, dessen Geschichte bis ins 11. Jahrhundert zurückreicht. Die Klosterkirche mit ihrem barocken Altar zieht Besucher an, die in der Stille der Kreuzgänge innehalten wollen. Wer Glück hat, trifft auf einen der Mönche, die noch heute im Kloster leben und den berühmten Grieser Lagrein keltern – einen der charakteristischsten Rotweine Südtirols, dessen Reben direkt neben dem Kloster wachsen.
Der Grieser Platz bildet das soziale Zentrum des Viertels. Nachmittags treffen sich hier Stammgäste in den Cafés, Kinder spielen auf dem Platz, und ältere Bozner spazieren gemächlich unter den Kastanien. Diese Alltagsszene ist kein Zufall: Gries-Quirein war lange ein eigenständiges Dorf, bevor es in die Stadt eingemeindet wurde, und dieses dörfliche Selbstbewusstsein ist bis heute spürbar.
Das Viertel ist auch ein Ausgangspunkt für Spaziergänge entlang der Talfer oder hinauf zu den Weinlehrpfaden am Hang. Die Nähe zur Natur ist kein Klischee, sondern gelebter Alltag: Schon wenige Gehminuten vom Grieser Platz entfernt öffnen sich Rebgärten und Obstwiesen, die den Blick auf die umliegenden Dolomiten freigeben. Für Reisende, die Bozen nicht nur als Durchgangsstation, sondern als Lebensraum verstehen wollen, ist Gries-Quirein die richtige Wahl.
