Cassis ist der Ort, an dem die Provence ins Meer kippt. Hinter dem pastellfarbenen Fischerhafen, in dem kleine Boote dicht an dicht schaukeln, türmt sich mit dem Cap Canaille eine der höchsten Steilküsten Frankreichs auf – rostrot, schroff und mehr als 360 Meter steil über türkisem Wasser. Am Quai reihen sich Cafés und Fischrestaurants, Boote legen zu den Calanques ab, und das Licht, das schon Maler wie Vlaminck und Dufy hierher zog, taucht die Fassaden in warmes Ocker. Die Calanques sind das große Naturschauspiel der Stadt: schmale, fjordartige Felsbuchten, die sich tief in das weiße Kalkmassiv zwischen Cassis und Marseille schneiden. Port-Miou, Port-Pin und das spektakuläre En-Vau mit seinem türkisen Wasser zwischen senkrechten Klippen erreicht man zu Fuß über Wanderpfade durch die duftende Garrigue oder bequemer per Ausflugsboot vom Hafen. Der Nationalpark Calanques schützt diese Landschaft seit 2012 – Baden, Wandern und Klettern sind hier ein Erlebnis zwischen Pinien, Felsen und Meer. Zwischen Hafen und Klippen reifen an steilen Terrassen die Reben des Cassis-Weins, einer der ältesten kontrollierten Herkunftslagen Frankreichs, vor allem für frische, mineralische Weißweine bekannt. Wer am Quai sitzt, einen gekühlten Cassis blanc zu einem Teller Meeresfrüchte trinkt und den Booten nachsieht, die in die schmalen Buchten hineingleiten, versteht schnell, warum dieser kleine Ort seit Generationen als eines der schönsten Stücke der provenzalischen Küste gilt. Unterhalb des Cap Canaille führt die Route des Crêtes als eine der eindrucksvollsten Panoramastraßen Frankreichs über die Klippenkämme – mit Blick weit über das Mittelmeer. Cassis bleibt dabei ein lebendiges, überschaubares Städtchen mit einem alten Dorfkern hinter dem Hafen, in dem sich Gassen, Platanenplätze und Boule-Spieler eine ganz eigene, unaufgeregte Ruhe bewahrt haben.



