Arcachon ist die Sommerstadt der Bordelaiser – ein Seebad am Atlantik, das sich um ein dreieckiges Binnenmeer legt, das Bassin d'Arcachon. Hier wächst zwischen Ebbe und Flut die berühmteste Auster Frankreichs, hier ziehen flachbodige Pinassen über das Watt zur Île aux Oiseaux mit ihren Stelzenhütten, und am Südufer türmt sich die Dune du Pilat auf, mit über hundert Metern die höchste Wanderdüne Europas. Die Stadt selbst zerfällt in vier Jahreszeiten-Viertel, ein Einfall der Gründer aus dem 19. Jahrhundert. Die mondäne Ville d'Été liegt direkt an der Strandpromenade, mit Casino, Seebrücke und Cafés. Dahinter, in den Hügel gebaut, beginnt die verträumte Ville d'Hiver: ein Labyrinth aus filigranen Belle-Époque-Villen, die ärztliche Empfehlung für lungenkranke Kurgäste in den harzduftenden Pinienwald setzte. Ville de Printemps und Ville d'Automne vervollständigen das Quartett. Wer Arcachon verstehen will, muss aufs Wasser. Mit dem Boot geht es zur Île aux Oiseaux, vorbei an den hölzernen Cabanes tchanquées, jenen beiden Stelzenhütten, die zum Wahrzeichen des Beckens geworden sind. Bei Ebbe legen die Austernbänke ihre Reusen frei; in den Cabanes ostréicoles am Hafen von L'Herbe oder Le Cap Ferret löffelt man die Austern frisch, mit Brot, Zitrone und einem Glas trockenem Weißwein. Und dann die Düne. Über einen Holzsteg und durch tiefen Sand erklimmt man den Kamm der Dune du Pilat – links der dunkelgrüne Pinienwald der Landes, rechts der offene Atlantik mit seinen Sandbänken am Beckeneingang. Bei Sonnenuntergang färbt sich der Sand kupfern. Arcachon ist ein Frankreich, das nach Salz, Harz und gegrilltem Fisch duftet, zwischen Austernkultur, Seekiefern und Second-Empire-Eleganz.




