Getaria drängt sich auf einer schmalen Landzunge an seinen Hügel, den die Einheimischen liebevoll „el Ratón“ nennen – die Maus, deren Rücken sich als bewaldete Halbinsel ins Kantabrische Meer schiebt. In diesem baskischen Fischerort von kaum mehr als zweitausendfünfhundert Seelen verdichtet sich, was die Gipuzkoa-Küste so begehrenswert macht: Hinter dem Hafen steigen die steilen Rebterrassen an, vor den Restaurants der Altstadt glühen die Holzkohle-Grills, und über allem wacht der spätgotische Glockenturm der Kirche San Salvador. Wer nach Getaria kommt, kommt meist des Fisches wegen. Auf den offenen Grills brutzeln ganze Steinbutte und Wolfsbarsche, mit nichts als Salz, gutem Öl und einem Spritzer Knoblauch-Essig veredelt – eine Küche, die Restaurants wie das legendäre Elkano weit über das Baskenland hinaus berühmt gemacht haben. Dazu perlt der Txakoli, jener spritzige, leicht prickelnde Weißwein aus den umliegenden Hängen, den die Kellner traditionell aus großer Höhe in flache Gläser gießen. Doch Getaria ist mehr als ein Tisch am Meer. Hier wurde Juan Sebastián Elkano geboren, der erste Mensch, der – nach Magellans Tod – die Erde umsegelte; sein Denkmal blickt vom Hafen aufs Wasser. Und hier kam Cristóbal Balenciaga zur Welt, der die Haute Couture neu erfand. Das ihm gewidmete Museum, ein kühner Glasbau über der Altstadt, zeigt seine Roben als pure Architektur aus Stoff. Die Altstadt selbst ist ein Geflecht enger Gassen, die zum Hafen hinabfallen, durchzogen von einem Tunneldurchgang unter der Kirche, der sie mit der Uferpromenade verbindet. Wer im Sommer bleibt, badet am Stadtstrand Malkorbe oder wandert über den Rücken des „Ratón“ – und versteht, warum Getaria seine doppelte Erbschaft aus Seefahrt und Mode mit so unaufgeregter Selbstverständlichkeit trägt.



