Wer die Stufen hinauf zum Linzer Schloss nimmt, bemerkt schon auf dem Weg, dass hier Geschichte buchstäblich in den Stein gemeißelt ist. Die mächtigen Mauern der Anlage reichen in ihrer ältesten Substanz bis in die Römerzeit zurück; Kaiser Friedrich III. ließ das Schloss im 15. Jahrhundert ausbauen, und auch Rudolf II. hinterließ seine Spuren. Was heute als Schlossmuseum Linz Besucherinnen und Besucher empfängt, ist das Landesmuseum Oberösterreich in einer seiner eindrucksvollsten Spielstätten — und einer der meistbesuchten Kulturorte der Stadt. Der Rundgang durch die Dauerausstellung führt durch mehrere Jahrtausende: Im Erdgeschoss begegnet man archäologischen Funden aus der Region, darunter keltische und römische Objekte, die zeigen, wie dicht besiedelt das Donautal schon in der Antike war. Wer dann die breiten Treppen in die Obergeschosse nimmt, taucht in die Welt der Kunstkammer ein — prachtvolle Gemälde, Skulpturen und kunsthandwerkliche Objekte aus dem Mittelalter bis in die frühe Neuzeit. Besonders beeindruckend ist die Ritterrüstungssammlung, die in ihrer Vollständigkeit in Österreich ihresgleichen sucht. Kinder und Erwachsene stehen hier gleichermaßen staunend vor den blank polierten Harnischen. Ein eigenes Kapitel verdient die Naturkundeabteilung mit ihren präparierten Tieren, Mineralien und geologischen Exponaten aus Oberösterreich — ein Kontrastprogramm zur Kunstgeschichte, das den Besuch kurzweilig hält. Wer sich nach all den Eindrücken eine Pause gönnen möchte, findet im Schlosshof einen ruhigen Innenhof, der zum Durchatmen einlädt. Der eigentliche Höhepunkt vieler Besuche ist jedoch der Blick von der Schlossterrasse: Von hier aus schweift der Blick über die Linzer Altstadt, den Pöstlingberg und bei klarem Wetter weit ins Alpenvorland. Fotografen kommen besonders am frühen Morgen oder zur goldenen Stunde auf ihre Kosten, wenn das Licht die Dächer der Stadt in warme Töne taucht. Das Schloss selbst, mit seiner markanten Fassade und dem Glasanbau, bietet ebenfalls lohnende Bildmotive aus verschiedenen Winkeln. Der Besuch lässt sich gut mit einem Spaziergang durch die Linzer Altstadt und einem Abstecher zum Hauptplatz verbinden, der nur wenige Gehminuten entfernt liegt. Wer die Ausstellung in Ruhe erkunden möchte, sollte mindestens zwei Stunden einplanen — wer tiefer in einzelne Sammlungsbereiche eintaucht, kann auch einen halben Tag verbringen.
Mehrere Ausstellungsebenen mit Kunst, Archäologie und Naturkunde, ein ruhiger historischer Schlosshof sowie eine Aussichtsterrasse mit weitem Blick über Linz. Der Rundgang ist gut beschildert, die Räume großzügig. Neben der Dauerausstellung gibt es regelmäßig Sonderausstellungen.
Die Geschichte des Linzer Schlosses reicht bis in die Römerzeit zurück, als auf dem Hügel über der Donau ein Militärlager stand. Im Mittelalter entstand eine Burganlage, die Kaiser Friedrich III. im 15. Jahrhundert zu einer repräsentativen Residenz ausbauen ließ. Auch Kaiser Rudolf II. nutzte das Schloss zeitweise als Aufenthaltsort. Nach einem verheerenden Brand im Jahr 1800 wurde die Anlage neu aufgebaut. Seit dem frühen 20. Jahrhundert dient das Schloss als Museum; heute beherbergt es als Teil des Landesmuseums Oberösterreich eine der bedeutendsten Regionalsammlungen Österreichs.
