◆ REGION · ÖSTERREICH
Niederösterreich ist das größte Bundesland Österreichs und der Gegenentwurf zu der Metropole, die es umschließt. Im Westen durchbricht die Donau die Wachau – ein UNESCO-Weltkulturerbe aus steil terrassierten Weingärten, Marillenbäumen und mittelalterlichen Marktorten, über dem das barocke Stift Melk und die blaue Stiftskirche von Dürnstein thronen. Nördlich davon rollen das hügelige Weinviertel mit seinen Kellergassen und das granitene, kühle Waldviertel; südlich von Wien liegen die Biedermeier-Kurstadt Baden und der Alpenrand am Semmering, über den sich die erste Hochgebirgsbahn der Welt windet. Dazwischen reihen sich Donaustifte, Babenberger-Burgen und die junge Landeshauptstadt Sankt Pölten. Es ist ein Land, das man nicht abhakt, sondern langsam durchfährt – mit einem Glas Grünem Veltliner in der Hand und den Wanderschuhen im Kofferraum.

Die Geschichte Niederösterreichs ist die Geschichte einer Wasserstraße. Schon die Römer sicherten die Donau als Grenze ihres Reiches – der Limes verlief hier, und Orte wie Tulln und Mautern gehen auf antike Kastelle zurück. Im Mittelalter wurde das Land zur Wiege Österreichs: Die Babenberger, die ersten Herrscher der „Ostarrîchi“, residierten unter anderem in Melk, Klosterneuburg und Tulln, ehe sie nach Wien zogen. Über der Wachau erinnert die Burgruine Dürnstein bis heute daran, dass hier Richard Löwenherz auf seinem Rückweg vom Kreuzzug gefangen gehalten wurde – eine Legende, die jeder Donauschiffer kennt.
Prägend aber sind die Stifte. Über dem Donautal reihen sich die großen Barockklöster wie eine Kette: Melk mit seiner goldglänzenden Bibliothek und Stiftskirche, Göttweig auf seinem Hügel über Krems, Klosterneuburg vor den Toren Wiens. Sie waren Zentren der Bildung, der Landwirtschaft und – nicht zuletzt – des Weinbaus. Die Mönche legten die Terrassen der Wachau an, deren Trockensteinmauern bis heute den steilen Hang halten und deren Grüner Veltliner und Riesling zu den besten Weißweinen Mitteleuropas zählen. Wo der Weinbau endet, beginnt der Marillengarten – die Wachauer Marille mit ihrer geschützten Herkunft wird zu Knödeln, Brand und Marmelade.
Doch Niederösterreich ist mehr als die Wachau. Im Norden bewahren das stille Waldviertel mit seinen Granitblöcken, Mooren und Renaissanceschlössern und das sonnige Weinviertel mit seinen weißen Kellergassen ein langsameres Tempo. Im Süden, im Wiener Becken, liegt die Thermenregion um Baden, deren Schwefelquellen schon die Römer schätzten und in deren Biedermeier-Villen Beethoven seine Sommer verbrachte. Und über dem Alpenrand windet sich die Semmeringbahn, jenes technische Wunderwerk des 19. Jahrhunderts, das als erste Hochgebirgsbahn der Welt zum UNESCO-Welterbe wurde. Wer das Land verstehen will, fährt mit dem Rad am Donauradweg, wandert den Welterbesteig durch die Wachau – und kehrt abends beim Heurigen ein.
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02 · Themen-Routen
Die klassische Donautour
Das Herzstück des Landes: Auf rund 35 Kilometern schneidet die Donau zwischen Melk und Krems die Wachau in den Fels. Per Schiff, Rad oder Auto reiht sich Höhepunkt an Höhepunkt – das Barockstift Melk, die Wehrkirche von Sankt Michael, das Weindorf Spitz, die blaue Stiftskirche und die Burgruine von Dürnstein. Wer Zeit hat, wandert ein Stück des Welterbesteigs über die Weinterrassen. Im Frühling blühen die Marillen, im Herbst läuft die Weinlese.
Wein & Kellergassen
Nördlich der Donau dehnt sich das Weinviertel aus, Österreichs größtes Weinbaugebiet und die Heimat des Grünen Veltliners. Charakteristisch sind die Kellergassen – ganze Straßenzüge aus Presshäusern, in denen die Winzer ihren Wein lagern und ausschenken. Das benachbarte Kamptal um Langenlois zählt zu den feinsten Riesling-Lagen des Landes. Wer den Wein zur Reise macht, plant Heurigenbesuche und eine Verkostung im Loisium ein.
Kur, Biedermeier & Therme
Südlich von Wien liegt die sanfte Thermenregion, deren schwefelhaltige Quellen schon die Römer als Aquae kannten. Baden bei Wien empfing im Biedermeier den Hochadel und Beethoven, der hier an der Neunten Symphonie arbeitete – Kurpark, Rosarium und das klassizistische Stadtbild zeugen davon. Von hier führt die Weinstraße in die Thermenregion mit den Rotweinorten Gumpoldskirchen und Bad Vöslau, und über das Helenental beginnt der Wienerwald.
Alpenrand & Welterbebahn
Am südlichen Rand des Landes steigt das Wiener Becken zu den ersten Alpengipfeln an. Über den Semmering windet sich die gleichnamige Bahn, die als erste Hochgebirgsbahn der Welt mit ihren Viadukten und Tunneln zum UNESCO-Welterbe wurde. Mit der Zahnradbahn geht es auf den Schneeberg, den höchsten Berg Niederösterreichs, mit der Höllentalbahn durch die wilde Klamm. Nördlich davon erstrecken sich die Buchenwälder und Aussichtswarten des Wienerwalds bis an die Stadtgrenze Wiens.
03 · Wann
Niederösterreich liegt im pannonisch geprägten Osten Österreichs und hat ein gemäßigtes, vergleichsweise trockenes Klima – nur am Alpenrand im Süden wird es alpiner und kühler. Die schönsten Zeiten sind der Frühling, wenn in der Wachau die Marillen- und Weinberge blühen, und der Frühherbst, wenn die Weinlese läuft und das Donautal golden leuchtet. Der Sommer kann im Wiener Becken heiß werden, lädt dafür aber zum Radeln und Baden ein.
✦ Vom Reiseziel zum Tagesplan
Niederösterreich lässt sich kaum an einem Stück bereisen – zu unterschiedlich sind die Welten von Wachau-Weinterrassen, Waldviertler Granitlandschaft, Thermenregion und Alpenrand. Unser Reiseplaner verbindet sie zu einer stimmigen Route: Er ordnet die Etappen entlang der Donau und nach Jahreszeit, stimmt Stiftsbesuche, Weinverkostungen und Wanderungen aufeinander ab, erinnert an die Marillenblüte und die Schiffsfahrpläne und schlägt vor, wann sich das Rad am Donauradweg und wann der Mietwagen für die Kellergassen lohnt. Sag uns, worauf du Lust hast – die klassische Wachau-Tour mit Melk und Dürnstein, eine Weinreise durchs Weinviertel, Kur und Biedermeier in Baden oder eine Bahnfahrt über den Semmering – und travelperfect entwirft daraus einen Tag-für-Tag-Plan mit echten Orten, Winzern und Stiften.
· Praktisch
04 · Häufige Fragen
Für die Wachau zwischen Melk und Krems mit ihren Stiften, Weindörfern und Burgruinen reichen zwei bis drei Tage. Wer zusätzlich das Weinviertel mit seinen Kellergassen, die Thermenregion um Baden oder den Semmering und den Schneeberg sehen möchte, sollte eine ganze Woche einplanen. Niederösterreich ist groß und entspannt – es belohnt das langsame Reisen mit dem Rad, dem Schiff und einem Glas Wein.
Zwei Zeiten stechen heraus: der April, wenn in der Wachau die Marillenbäume blühen und das ganze Tal in zartem Rosa steht, und der Frühherbst von September bis Oktober, wenn die Weinlese läuft, beim Heurigen der Sturm ausgeschenkt wird und das Donautal golden leuchtet. Beide Zeiten bieten mildes Wetter zum Radeln und Wandern, ohne die Sommerhitze des Wiener Beckens.
Für die Wachau nicht zwingend: Das Tal lässt sich gut per Donauschiff, mit der Wachaubahn oder auf dem Donauradweg erkunden, und Krems sowie Melk sind per Bahn von Wien erreichbar. Für das weitläufige Weinviertel mit seinen Kellergassen, das Waldviertel und entlegene Heurige ist ein Mietwagen dagegen sehr praktisch, da der öffentliche Verkehr dort dünner wird.
Den Wein voran: Grüner Veltliner und Riesling aus Wachau, Kamptal und Kremstal zählen zu den besten Weißweinen Mitteleuropas. Dazu die Wachauer Marille als Knödel, Brand oder Marmelade, im Herbst Sturm und Most beim Heurigen, im Waldviertel Mohnzelten und Erdäpfel sowie überall die deftige Wirtshausküche mit Wild und Backhendl. Am authentischsten erlebt man das alles beim Buschenschank direkt beim Winzer.
Sehr. Das Benediktinerstift Melk thront wie eine barocke Krone über der Donau und gehört zu den eindrucksvollsten Klosteranlagen Europas. Höhepunkte sind die prunkvolle Stiftskirche, die Bibliothek mit ihren historischen Handschriften und die Aussichtsterrasse über dem Fluss. Melk bildet zugleich das westliche Tor zur Wachau – viele beginnen hier ihre Donautour Richtung Krems.
Niederösterreich umschließt Wien und ist ideal für Tagesausflüge oder eine Verlängerung. Krems und Melk erreicht man per Bahn in rund einer Stunde, Baden bei Wien fährt die Badner Bahn direkt aus der Stadt an, und der Semmering liegt an der Südbahn. Wer mehr Zeit hat, hängt nach den Wiener Tagen zwei bis drei Tage Wachau oder Thermenregion an – ein stimmiger Kontrast aus Großstadt und Weinland.
05 · Weiter im Land
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