Wer Bellagio kennt, kennt die engen Gassen rund um die Piazza Mazzini, die Souvenirläden und die Touristenströme an der Hauptpromenade. San Giovanni liegt etwas abseits davon – und genau das macht diesen Ortsteil so besonders. Hier, am südwestlichen Zipfel der Landzunge zwischen Comer See und Lecco-Arm, breitet sich ein Bellagio aus, das sich seinen lokalen Charakter bewahrt hat. Die Häuser stehen näher am Wasser, die Wege sind stiller, und wer morgens früh aufsteht, kann erleben, wie die ersten Fischerboote auf dem spiegelglatten See treiben, während der Nebel sich langsam von den Voralpengipfeln löst.
San Giovanni grenzt direkt an den Seeufer-Abschnitt, der Spaziergängern einen unverstellten Blick auf die gegenüberliegenden Ufer bietet – auf Tremezzo und die Villa Carlotta im Westen sowie auf Varenna im Osten. Die Uferpromenade hier ist weniger frequentiert als jene im Zentrum Bellagios, was Spaziergänge in aller Ruhe möglich macht. Familien mit Kindern schätzen den flachen Zugang zum See, während Fotografen vor allem in den frühen Abendstunden kommen, wenn das Licht die Fassaden in warmes Orange taucht.
Der Ortsteil ist auch für Reisende interessant, die in Bellagio übernachten möchten, ohne mitten im Trubel zu liegen. Hotels und Pensionen in San Giovanni bieten oft direkten Seeblick und eine ruhigere Nacht als im Zentrum – bei gleichzeitig kurzen Wegen in die Altstadt, die zu Fuß gut erreichbar ist. Die Verbindung mit dem Fähranleger von Bellagio ermöglicht zudem schnelle Ausflüge nach Varenna oder Menaggio.
Kulinarisch hält San Giovanni einige Adressen bereit, die eher von Einheimischen als von Tagesausflüglern frequentiert werden. Kleine Trattorien servieren Gerichte der Larianischen Küche, darunter Missoltini – getrockneter Agone-Fisch aus dem Comer See – sowie Risotto mit Barsch und hausgemachte Pasta. Wer in San Giovanni ausgeht, erlebt ein entspannteres Tempo als auf der Piazza Mazzini: Abendessen ohne Reservierungsstress, ein Glas lokaler Rotwein auf einer Terrasse mit Seeblick, das Geräusch der Wellen als einzige Hintergrundmusik.

Giardini di Villa Melzi
Die Giardini di Villa Melzi am Ufer südlich Bellagios zählen zu den ersten englischen Landschaftsgärten am Comer See, angelegt ab 1808 für Francesco Melzi d'Eril.
Einer der ersten englischen Landschaftsgärten am Comer See, ab 1808 angelegt