Wer Vicenza kennt, denkt zunächst an Palladios Stadtpalais und die Basilica Palladiana im Zentrum. Doch wer ein wenig weiter südlich schaut, entdeckt die Riviera Berica – jenen Streifen zwischen Stadt und den bewaldeten Hügeln der Monti Berici, der eine ganz eigene Stimmung trägt. Hier verliert die Stadt ihre Kanten. Die Straßen werden ruhiger, die Villen großzügiger, die Gärten üppiger.
Die Riviera Berica folgt grob dem Verlauf des Bacchiglione und führt hinauf in die Colli Berici. Entlang dieser Achse reihen sich historische Villen aus dem 16. und 17. Jahrhundert, die einst den venezianischen Adelsfamilien als Sommerresidenz dienten. Die Villa Valmarana ai Nani ist dabei das bekannteste Beispiel: Ihre Fresken von Giambattista und Giandomenico Tiepolo gelten als eines der bedeutendsten Malerei-Ensembles Norditaliens. Nur wenige Gehminuten entfernt thront die Rotonda – offiziell Villa Almerico Capra – auf einem Hügel, der einen weiten Blick über die Ebene freigibt. Dieses Bauwerk Palladios ist UNESCO-Weltkulturerbe und zieht Architekturinteressierte aus aller Welt an.
Das Viertel selbst wirkt im Alltag bemerkenswert unaufgeregt. Morgens fahren Einheimische mit dem Fahrrad zur Arbeit, nachmittags sitzen ältere Herren vor kleinen Bars, und abends füllen sich die wenigen Trattorien mit Gästen aus dem Stadtkern. Die Gastronomie der Riviera Berica setzt auf berico-vicentinische Küche: Baccalà alla vicentina, langsam geschmorter Stockfisch mit Zwiebeln und Milch, steht auf fast jeder Karte. Dazu lokale Weißweine aus den Colli Berici, die in kleinen Enoteche ausgeschenkt werden.
Für Reisende, die dem touristischen Trubel des Stadtzentrums entkommen wollen, ist die Riviera Berica eine lohnende Alternative. Die Unterkunftsmöglichkeiten reichen von kleinen Agriturismi an den Hängen der Berici bis zu eleganten Boutique-Hotels in restaurierten Villen. Wer hier übernachtet, erlebt Vicenza aus einer anderen Perspektive – ruhiger, persönlicher und näher an der Alltagskultur der Veneter.

Villa La Rotonda
Palladios berühmtester Bau: die Villa Almerico Capra mit vier Tempelfronten und zentraler Kuppel am Stadtrand von Vicenza.
Palladios berühmtester Villenbau, begonnen um 1567