Wer vom Ufer Stresas aus auf den Lago Maggiore blickt, sieht sie wie hingestellt: drei Inseln, die so unterschiedlich sind, dass man kaum glauben mag, sie lägen nur wenige Minuten Bootsfahrt voneinander entfernt. Die Isole Borromee – Isola Bella, Isola Madre und Isola dei Pescatori – gehören seit Jahrhunderten der piemontesischen Adelsfamilie Borromeo und sind bis heute eines der eindrucksvollsten Ensembles am gesamten Lago Maggiore.
Isola Bella ist die bekannteste der drei. Das Palazzo Borromeo mit seinen zehn terrassierten Gartenstufen, den Wasserspielen, weißen Pfauenstatuen und üppigen Blumenarrangements wirkt wie ein Bühnenbild, das jemand mitten ins Wasser gesetzt hat. Im Inneren des Palastes öffnen sich Säle mit flämischen Tapisserien, venezianischen Spiegeln und einer Grotte aus Muscheln und Tuffstein, die kühle Stille inmitten des Trubels verspricht. Die Gärten entstanden im 17. Jahrhundert unter Carlo III. Borromeo – und man spürt bei jedem Schritt, dass hier kein Detail dem Zufall überlassen wurde.
Ganz anders empfängt einen Isola Madre, die größte der Borromäischen Inseln. Hier regiert der Botanische Garten: Kaschmirzypressenalleen, seltene Azaleen, jahrhundertealte Kamelien und freilaufende weiße Pfauen, die sich kaum um die Besucher scheren. Das Klima ist so mild, dass hier Pflanzen gedeihen, die auf dem Festland keine Chance hätten. Der Palazzo auf Isola Madre ist schlichter als sein Pendant auf Isola Bella, dafür beherbergt er eine bemerkenswerte Sammlung historischer Marionettentheater-Figuren.
Isola dei Pescatori ist die einzige der drei Inseln, auf der Menschen dauerhaft wohnen – rund 50 Einwohner teilen sich enge Gassen, bunt gestrichene Häuser und ein Fischerdorf-Flair, das sich trotz des Tourismus bewahrt hat. Hier gibt es keine Palastgärten, dafür Trattorien mit Blick aufs Wasser, Katzen auf Treppenstufen und eine Atmosphäre, die eher an die Cinque Terre erinnert als an einen Adelssitz. Abends, wenn die Tagestouristen abgereist sind, gehört die Insel fast wieder den Einheimischen.
Die Überfahrt von Stresa dauert je nach Insel zwischen fünf und fünfzehn Minuten – mit den Linienbooten des Lago Maggiore Express oder mit einer der kleinen Fähren, die regelmäßig anlegen. Wer alle drei Inseln an einem Tag besuchen möchte, sollte früh aufbrechen: Isola Bella und Isola Madre verlangen jeweils eigene Eintrittskarten, und die Gärten brauchen Zeit, um wirklich zu wirken.

Palazzo Borromeo & Isola Bella
Barockes Gesamtkunstwerk der Familie Borromeo auf der Isola Bella: Prunksäle, Muschelgrotten und zehn Gartenterrassen mit weißen Pfauen.
Barocker Palazzo der Borromeo mit Prunksälen und Gemäldegalerien