Magna Graecia, Erdbeben und ein Comeback aus Bronze die älteste griechische Kolonie Italiens, die ihre größten Schätze erst im 20. Jahrhundert wiederfand
Reggio – das antike Rhegion – wurde um 730 v. Chr. von griechischen Siedlern gegründet und gehört damit zu den ältesten Städten der Magna Graecia. Über Jahrhunderte war es ein Zentrum von Macht und Kultur an der Meerenge, doch seine antike Substanz ist heute kaum mehr sichtbar: Erdbeben haben die Stadt immer wieder verwüstet, am verheerendsten das große Beben von 1908, das auf der gegenüberliegenden Seite auch Messina dem Erdboden gleichmachte. Was man heute durchschreitet, ist eine im frühen 20. Jahrhundert nach modernem Raster wiederaufgebaute Stadt mit breiten, schnurgeraden Achsen – allen voran der Corso Garibaldi, die elegante Flaniermeile zwischen Bahnhof und Zentrum.
Der Ruhm der Stadt kam buchstäblich aus dem Meer. 1972 entdeckte ein Taucher vor dem Küstenort Riace zwei lebensgroße Bronzestatuen nackter Krieger, gegossen im 5. Jahrhundert v. Chr. – Meisterwerke der griechischen Klassik, wie sie sonst nur als römische Marmorkopien überliefert sind. Heute sind die Bronzi di Riace das Herz des Museo Archeologico Nazionale, eines der wichtigsten Museen Süditaliens, und der Grund, warum Reggio überhaupt auf vielen Reiserouten steht. In einem erdbebensicheren Saal mit eigener Klimaregelung stehen sie auf antivibratorischen Sockeln – ein fast sakraler Auftritt.
Doch Reggio ist mehr als sein Museum. Es ist die Heimat der Bergamotte, jener bitteren Zitrusfrucht, die fast ausschließlich an diesem schmalen Küstenstreifen gedeiht und Earl-Grey-Tee und großen Parfüms ihren unverwechselbaren Duft schenkt. Es ist die Stadt, von deren Promenade aus man Sizilien, die Äolischen Inseln und an besonderen Tagen die Luftspiegelung der „Fata Morgana“ über der Meerenge sieht. Und es ist eine Stadt mit einer lauten, herzlichen Esskultur – von der scharfen Wurst 'Nduja über frischen Schwertfisch bis zur Granita am Morgen. travelperfect rät, Reggio nicht als Durchgangsstation nach Sizilien zu behandeln, sondern ihm mindestens einen vollen Tag und einen langen Abend am Meer zu schenken.
