Wer Tropea zum ersten Mal sieht, bleibt unweigerlich stehen. Die Altstadt sitzt wie hingestellt auf einem schroffen Sandsteinfelsen, der senkrecht aus dem Tyrrhenischen Meer aufsteigt, und darunter leuchtet das Wasser in einem Blaugrün, das man eher auf Postkarten aus der Karibik vermutet als an der kalabrischen Küste. Dieser Anblick – am besten vom Strand Spiaggia della Rotonda aus eingefangen – erklärt besser als jede Statistik, warum Tropea zu den meistfotografierten Orten Italiens zählt.
Die Altstadt selbst ist ein kompaktes Labyrinth aus Palazzi, engen Gassen und kleinen Plätzen. Wer die Via Roma entlangschlendert, passiert barocke Fassaden, kleine Läden mit hängenden Chili-Zöpfen und Körben voller Cipolla Rossa di Tropea – der süßen roten Zwiebel, die hier seit Jahrhunderten angebaut wird und inzwischen ein EU-Herkunftszeichen trägt. Auf dem Piazza Ercole, dem zentralen Platz der Altstadt, sitzen Einheimische auf Steintreppen, während Touristen die Aussicht über das Meer genießen: Hier treffen sich beide Welten ganz selbstverständlich.
Das wichtigste Bauwerk der Stadt ist die Cattedrale di Tropea, deren romanische Ursprünge bis ins 11. Jahrhundert zurückreichen. Im Inneren bewahrt sie ein verehrtes Madonnenbild – die Madonna di Romania – sowie eine Kriegsbombe aus dem Zweiten Weltkrieg, die nie explodierte und heute als Reliquie gilt. Wenige Gehminuten entfernt thront das Santuario di Santa Maria dell'Isola auf einem freistehenden Felsvorsprung direkt am Meer. Das Benediktinerkloster, heute als Kirche zugänglich, ist über eine Treppe erreichbar und bietet einen der schönsten Panoramablicke der ganzen Region.
Die Strände rund um Tropea – Spiaggia della Rotonda, Spiaggia di Pietrenere und die weitläufigen Abschnitte Richtung Capo Vaticano – gehören zu den saubersten Kalabrien. Das Wasser ist flach genug für Kinder, klar genug zum Schnorcheln, und an den Felsen unter dem Stadtfelsen wachsen Seegraswiesen, die Oktopusse und Seeigel beherbergen. Wer früh morgens kommt, hat die Buchten fast für sich allein.
Tropea ist klein – man durchquert die Altstadt in zwanzig Minuten –, aber es steckt viel drin. Die Atmosphäre ist entspannt ohne Gleichgültigkeit, lebendig ohne Hektik. Abends füllen sich die Terrassen der Restaurants an der Klippe, der Duft von gegrilltem Schwertfisch zieht durch die Gassen, und irgendwo spielt jemand Gitarre. Kalabrien zeigt sich hier von einer Seite, die viele überrascht.







