Wer von Kastelruth aus die Straße hinauf nach Seis am Schlern fährt, merkt schnell: Hier beginnt eine andere Welt. Das Dorf liegt auf rund 1.000 Metern Höhe auf dem Seiser Plateau, eingebettet zwischen saftigen Wiesen und dem markanten Felsmassiv des Schlern, dessen gezackte Silhouette den Horizont beherrscht. Es ist kein dramatischer Moment, der einen empfängt, sondern ein stilles, fast überraschendes Aufatmen.
Seis am Schlern ist der Ausgangspunkt zur Seiser Alm, der größten Hochalm Europas. Von hier aus erreicht man mit der Umlaufbahn Seiser Alm Bahn in wenigen Minuten das Almgebiet, das sich im Sommer in ein Wanderparadies und im Winter in ein schneesicheres Skigebiet verwandelt. Doch Seis selbst ist mehr als ein Transitpunkt: Das Dorf hat einen eigenen Charakter, geprägt von alten Südtiroler Bauernhöfen, dem barocken Kirchturm von St. Valentin und einer Ruhe, die man in touristisch erschlossenen Bergorten selten findet.
Das Ortsbild wird von gepflegten Gasthäusern, familiengeführten Hotels und kleinen Läden bestimmt, die regionale Produkte wie Speck, Käse und Grödner Schnitzarbeiten anbieten. Abends treffen sich Einheimische und Gäste in den Stuben der Dorfgasthäuser, wo Schlutzkrapfen und Tirtlan auf den Tisch kommen — Gerichte, die man anderswo so kaum findet. Die Atmosphäre ist bodenständig und herzlich, ohne aufgesetzt zu wirken.
Für Familien, Wanderer und alle, die dem Trubel größerer Ferienorte entfliehen wollen, ist Seis am Schlern eine überzeugende Wahl. Die Kombination aus direktem Zugang zur Seiser Alm, dem Blick auf Schlern und Rosengarten sowie der intakten Dorfstruktur macht diesen Ort zu einem der stimmungsvollsten Ausgangspunkte für Südtirol-Reisen. Wer hier übernachtet, wacht morgens mit einem Panorama auf, das man sich kaum besser vorstellen kann.

St.-Valentin-Kapelle
Kleine mittelalterliche Wiesenkapelle im Weiler St. Valentin vor der Schlernwand – eines der bekanntesten Fotomotive Südtirols.
Kleine mittelalterliche Kapelle in freier Wiesenlage