Wer von Dürnstein aus auf die Donau hinabblickt, versteht sofort, warum die Wachau 2000 in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen wurde. Das schmale Donautal zwischen Melk und Krems zieht sich wie ein lebendes Gemälde durch die niederösterreichische Landschaft: Terrassierte Weingärten klettern die Felshänge hinauf, Aprikosenbäume blühen im Frühjahr in zartem Rosa, und die Ruine der Kuenringerburg thront hoch über den Dächern des blauen Stifts Dürnstein, als hätte die Geschichte hier einfach aufgehört, weiterzulaufen.
Das Welterbegebiet ist kein Museum, sondern gelebte Kulturlandschaft. Winzer keltern hier noch immer Grünen Veltliner und Riesling auf denselben Terrassen, auf denen Zisterziensermönche im Mittelalter Weinbau betrieben. Die Donau selbst ist die Hauptachse: Ob man mit dem Fahrrad auf dem Donauradweg von Dürnstein Richtung Weißenkirchen pedalt, mit dem Schiff zwischen Krems und Melk gleitet oder zu Fuß den Welterbesteig begeht — jede Perspektive auf das Tal ist eine andere. Besonders der Anstieg zur Kuenringerburg belohnt nach etwa 30 Gehminuten mit einem Panorama, das das gesamte Welterbegebiet auf einen Blick versammelt: die geschwungene Donau, die Weinriegel, die Barockkirchturm-Silhouette von Dürnstein in Blau und Weiß.
Geschichtlich ist die Wachau eine der dichtesten Kulturregionen Mitteleuropas. Schon in der Altsteinzeit war das Tal besiedelt, wie Funde aus der Gegend um Willendorf belegen. Im Mittelalter kontrollierten die Kuenringer das Tal und hielten hier — in der Burg über Dürnstein — den englischen König Richard Löwenherz gefangen, bis ein stattliches Lösegeld seine Freilassung erkaufte. Klöster wie Stift Melk und Stift Göttweig prägten Jahrhunderte lang Architektur, Weinbau und Bildung der Region.
Der beste Ausgangspunkt für eine Erkundung ist Dürnstein selbst: Die Ortschaft ist in wenigen Minuten durchquert, bietet aber mit der Stiftskirche, den engen Gassen und den Weinkellern direkt am Marktplatz mehr als genug Substanz für einen halben Tag. Wer das große Bild sucht, sollte den Welterbesteig zumindest in Teilabschnitten gehen — die Aussichtspunkte über den Weinterrassen bei Weißenkirchen oder am Tausendeimerberg gehören zu den eindrücklichsten Aussichten der gesamten Donauregion.