Wer Bardolino kennt und trotzdem noch etwas Stilles, Unaufgeregtes sucht, findet es wenige Kilometer landeinwärts: Calmasino liegt auf den sanften Hügeln des Gardasee-Hinterlandes, eingebettet zwischen Weinreben und Olivenhainen, die den Charakter der gesamten Region prägen. Hier oben weht ein anderer Wind als unten am See – buchstäblich und im übertragenen Sinne. Die Gassen sind enger, die Häuser aus altem Kalkstein gebaut, und das Tempo des Alltags folgt dem Rhythmus der Jahreszeiten statt dem der Touristenströme.
Das Dorf gehört zur Gemeinde Bardolino und ist Teil eines der bekanntesten Weinbaugebiete Italiens. Der Bardolino DOC, jener leichte, rubinrote Rotwein, der in ganz Europa Liebhaber findet, gedeiht auf den Hängen rund um Calmasino besonders gut. Wer die Weinrouten der Region erkundet, kommt an diesem Ort fast zwangsläufig vorbei – und sollte sich Zeit nehmen, um die Stille der Rebzeilen auf sich wirken zu lassen, besonders in den frühen Morgenstunden, wenn der Morgendunst noch über den Hügeln liegt.
Calmasino selbst ist kein Ort für große Sehenswürdigkeiten im klassischen Sinne. Seine Qualität liegt im Zusammenspiel: die alte Dorfkirche, die kleinen Plätze, an denen Einheimische den Abend verbringen, und die Aussicht hinunter auf den Gardasee, die sich von den erhöhten Punkten des Ortes auftut. Diese Perspektive auf den See – von oben, mit Weinbergen im Vordergrund – ist eine andere als die vom Ufer aus und lohnt allein schon den kurzen Abstecher.
Für Reisende, die in Bardolino übernachten, bietet Calmasino eine willkommene Abwechslung: Radfahrer nutzen die Hügelstraßen als Training und Genuss zugleich, Wanderer folgen den Pfaden durch die Reblandschaft, und alle, die einfach verstehen wollen, wie das ländliche Leben am Gardasee abseits der Promenaden aussieht, finden hier authentische Einblicke. Agriturismo-Betriebe in der Umgebung verbinden Unterkunft mit direktem Zugang zur lokalen Weinkultur – eine Option, die dem Aufenthalt eine ganz eigene Qualität gibt.
