◆ STADT · MADRID
Vierzig Minuten südlich von Madrid, dort wo Tajo und Jarama zusammenfließen, liegt eine grüne Anomalie inmitten der kastilischen Meseta. Aranjuez ist kein gewachsenes Dorf, sondern ein königlicher Entwurf: ein Sommerpalast, der mit Versailles wetteifern wollte, dazu kilometerlange Gärten unter Platanen, eine schnurgerade Stadt nach barockem Reißbrett und Erdbeerfelder, die einst per Eisenbahn nach Madrid rollten. Seit 2001 ist diese Kulturlandschaft UNESCO-Welterbe.
Aranjuez beginnt nicht mit Menschen, sondern mit einem Flusslauf. Karl V. erkor die Aue am Tajo zum Landsitz, sein Sohn Philipp II. ließ ab 1560 mit Juan Bautista de Toledo den Jardín de la Isla anlegen, eine vom Fluss umflossene Renaissance-Insel mit Brunnen für Herkules, Apollo und Neptun. Drei Jahrhunderte lang blieb der Ort, was kaum eine andere Stadt von sich sagen kann: ein Werkzeug der Krone. Erst Philipp V., der erste Bourbone, nahm den Palastbau wieder auf, mit dem ausdrücklichen Ehrgeiz, dem Vorbild Versailles Paroli zu bieten.
Die Stadt selbst ist jünger als ihr Palast. Ferdinand VI. und Barbara von Braganza, beratschlagt vom legendären Kastraten Farinelli, ließen Mitte des 18. Jahrhunderts durch Santiago Bonavía einen Rasterplan anlegen, dessen Achsen bis heute den Blick auf Palast und Platanen lenken. Herzstück ist die Plaza de San Antonio mit ihren Arkaden und der königlichen Kirche, im Volksmund Mariblanca. Vom Embarcadero stachen die vergoldeten Falúas Reales in den Tajo, während Farinelli sang, ein Hofzeremoniell, das heute das kleine Museo de Falúas bewahrt.
Auch die große Geschichte machte hier Station. Im März 1808 stürmten Soldaten und Volk die Quartiere des Günstlings Manuel Godoy, der Motín de Aranjuez zwang Karl IV. zur Abdankung zugunsten Ferdinands VII., am Vorabend der napoleonischen Besetzung. Und im 20. Jahrhundert verlieh Joaquín Rodrigo dem Ort mit dem Concierto de Aranjuez eine Melancholie aus Gitarre und Gärten, die heute jeder im Ohr hat, der den Namen hört.
01 · Auf einen Blick
· Stadtviertel
· Sehenswürdigkeiten
· Aktivitäten
· Entdecken & Buchen
02 · Was tun
Palast & Gärten
Vom Palacio Real mit Porzellankabinett und Gabinete Árabe nach Alhambra-Vorbild geht es in den vom Tajo umflossenen Jardín de la Isla, dann durch den 150 Hektar großen Jardín del Príncipe bis zur neoklassizistischen Casa del Labrador und zum Museo de Falúas am Wasser.
Barocke Stadt
Die schnurgeraden Achsen der Planstadt führen über die arkadengesäumte Plaza de San Antonio mit der Kirche Mariblanca, vorbei am Schauplatz des Motín von 1808, zur Plaza de Toros von 1797, einer der ältesten Stierkampfarenen Spaniens mit Museum.
Fluss & Felder
Entlang des Tajo zu den Gangos-Lokalen, weiter zum Real Cortijo de San Isidro mit der Königlichen Bodega von 1782 und zur Lagune Mar de Ontígola von 1572, einem Vogelparadies mit Beobachtungsstand und Ökopfad.
03 · Wann
Das kontinentale Klima der Meseta macht die Jahreszeiten zum entscheidenden Faktor. Im Hochsommer brennt die Sonne über die Felder, im Winter sinken die Nächte gegen den Gefrierpunkt. Zwischen beiden Extremen liegen die zwei goldenen Fenster, in denen Gärten, Stadt und Fluss ihre ganze Wirkung entfalten.
04 · Häufige Fragen
Am bequemsten mit der Cercanías-Linie C3 ab Madrid-Atocha. Die rund 44 Kilometer dauern etwa 45 Minuten, Züge fahren etwa alle 20 Minuten, das Hin- und Rückfahrt-Ticket kostet unter 7 Euro. Vom Bahnhof sind es rund zehn Minuten zu Fuß zum Palast.
Ja, Aranjuez ist der klassische Tagesausflug ab Madrid. Ein halber Tag reicht für Palast und die wichtigsten Gärten, ein ganzer Tag erlaubt zusätzlich die Planstadt, das Tajo-Ufer und ein Mittagessen mit lokalen Spezialitäten.
Der Erdbeerzug ist ein historischer Dampfzug, der an Wochenenden im Frühjahr und Herbst die 1851 eröffnete Strecke Madrid–Aranjuez nachfährt. Hostessen in Tracht reichen Erdbeeren, im Ticket sind oft eine Führung und der Palastbesuch enthalten.
Der Palacio Real kostet regulär rund 9 Euro, ermäßigt etwa 4 Euro; mittwochs und sonntags nachmittags ist der Eintritt frei. Die Gärten Jardín de la Isla, del Príncipe und del Parterre sind frei zugänglich.
Berühmt sind die Erdbeeren (fresas) und der weiße Spargel von Aranjuez, dazu Wildgerichte wie Fasan und Rebhuhn aus der höfischen Jagdtradition. Traditionslokale wie El Rana Verde, geöffnet seit 1903, servieren diese Klassiker direkt am Fluss.
Der Komponist Joaquín Rodrigo widmete sein berühmtes Gitarrenkonzert von 1939 der melancholischen Stimmung der Gärten von Aranjuez. Die örtliche Musikschule trägt seinen Namen, und im Frühsommer finden Konzerte auf der Plaza de San Antonio statt.
05 · In der Nähe
Sagen Sie uns, worauf Sie Lust haben — wir planen Ihre Tage in Aranjuez.
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