Wer früh morgens durch die Kremser Altstadt spaziert, wenn der Dunst noch über der Donau liegt und die ersten Bäcker ihre Läden öffnen, begreift sofort, warum diese Stadt seit Jahrhunderten Menschen anzieht. Krems an der Donau ist keine museale Kulisse, sondern eine lebendige Universitätsstadt mit über tausend Jahren Geschichte, eingebettet in die Weinberge der Wachau, die zum UNESCO-Welterbe zählt. Die enge Steiner Landstraße, flankiert von Bürgerhäusern aus dem 15. und 16. Jahrhundert, führt vom Steiner Tor – einem der markantesten gotischen Stadttore Niederösterreichs – hinein in ein Geflecht aus Gassen, Innenhöfen und kleinen Plätzen, das sich zu Fuß am besten erschließt. Das kulturelle Zentrum der Stadt hat in den vergangenen Jahrzehnten eine bemerkenswerte Verwandlung erlebt. Die Kunstmeile Krems, ein Verbund mehrerer Institutionen entlang der Steiner Landstraße, zieht Kunstliebhaber aus ganz Europa an. Das Karikaturmuseum Krems, die Kunsthalle Krems und das Museum Krems im ehemaligen Dominikanerkloster bilden zusammen ein Programm, das von mittelalterlicher Stadtgeschichte bis zur zeitgenössischen Zeichenkunst reicht. An einem Nachmittag lässt sich unmöglich alles sehen – was kein Nachteil ist, sondern ein Grund wiederzukommen. Krems ist auch Weinstadt durch und durch. Die Rieden rund um die Stadt tragen Namen wie Sandgrube 13 oder Pfaffenberg, und in den Heurigen der Umgebung trinkt man Grünen Veltliner und Riesling direkt beim Winzer. Wer verstehen will, wie tief die Weinkultur hier verwurzelt ist, sollte die Kremser Vinothek besuchen oder eine geführte Kellertour buchen. Die Donaupromenade bietet dazu den passenden Rahmen: Abends, wenn die Sonne hinter den Weinhängen versinkt, entfaltet sich hier eine Stimmung, die sich schwer in Worte fassen lässt. Als Ausgangspunkt für die Wachau ist Krems ideal. Mit dem Fahrrad geht es donauaufwärts nach Dürnstein, wo die Ruine Kuenringer über dem blauen Fluss thront, oder weiter bis Melk mit seiner barocken Benediktinerabtei. Wer lieber das Wasser nutzt, steigt auf eines der Donauschiffe, die regelmäßig zwischen Krems und Melk verkehren. Die Altstadt selbst braucht diesen Vergleich mit der Umgebung nicht zu scheuen – sie ist Ziel und Ausgangspunkt zugleich.




