Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Graz
Der gesamte Welterbe-Kern passt in einen Kreis von gut einem Kilometer Durchmesser – für die großen Namen brauchst du kein einziges Verkehrsmittel.
Der Schlossberg ist der Bezugspunkt für alles andere. Der bewaldete Dolomitfelsen erhebt sich rund 123 Meter über den Hauptplatz, trug jahrhundertelang die Festung, der die Stadt ihren Namen verdankt, und wurde 1809 nach dem Frieden von Schönbrunn auf Napoleons Anordnung geschleift. Zwei Bauwerke überlebten, weil die Bürger sie freikauften: der Uhrturm und der Glockenturm. Der Uhrturm misst 28 Meter, und seine vier Zifferblätter tragen einen großen Zeiger für die Stunden und einen kleinen für die Minuten – ein Erbe der Zeit, als die Uhr überhaupt nur einen Zeiger hatte und der zweite später schlicht kleiner ausfiel. Im Glockenturm nebenan hängt die Liesl, eine der größten Glocken der Steiermark; sie läutet um 7, 12 und 19 Uhr jeweils 101 Schläge.
Unten führt vom Hauptplatz mit dem historistischen Rathaus und dem Erzherzog-Johann-Brunnen die Herrengasse nach Süden, die Prachtachse der Stadt. An ihr steht das Gemalte Haus, dessen Fassade im 18. Jahrhundert vollflächig mit mythologischen Szenen bemalt wurde und bis heute aus der Reihe fällt. Hinter der Nummer 16 öffnet sich der Landhaushof, ein dreigeschossiger Arkadenhof im lombardischen Renaissancestil aus der Mitte des 16. Jahrhunderts, in dem im Sommer gespielt und gesessen wird; im selben Gebäudekomplex liegt das Landeszeughaus. Parallel dazu windet sich die Sporgasse als älteste Verbindung Richtung Schlossberg bergauf, mit dem steinernen Türken am Erker des Palais Saurau, der seit Generationen zum Standardfoto gehört.
Ein paar Schritte östlich beginnt das kirchliche und höfische Graz. Der Dom, dem heiligen Ägydius geweiht, entstand ab 1438 unter Herzog Friedrich V., dem späteren Kaiser Friedrich III.; an seiner Südwand hat sich das Landplagenbild von 1485 erhalten, ein stark verwittertes Fresko, das Heuschrecken, Pest und Türkeneinfälle in einem einzigen Bild zusammenzieht. Direkt daneben steht das Mausoleum Kaiser Ferdinands II., außen von Pietro de Pomis entworfen, im Inneren später von Johann Bernhard Fischer von Erlach ausgestattet. Gegenüber, in der Burg, führt die Doppelwendeltreppe von 1499 zwei steinerne Läufe so ineinander, dass sie sich auf jedem Stockwerk treffen und wieder trennen – ein Stiegenhaus, vor dem heute mehr Leute stehen bleiben als vor mancher Kirche.
Das zweite Graz ist keine dreißig Jahre alt. Für das Kulturhauptstadtjahr 2003 entwarfen Peter Cook und Colin Fournier das Kunsthaus am westlichen Murufer, einen biomorphen Baukörper aus blauen Acrylglasplatten, dessen Medienfassade BIX von realities:united mit 930 Leuchtringen Zeichen über den Fluss schreibt. Fast gleichzeitig setzte der New Yorker Künstler Vito Acconci die Murinsel ins Wasser, eine begehbare Stahlmuschel mit Café, kleinem Amphitheater und Spielplatz, über zwei Stege vom Ufer aus erreichbar. Dazu kommen die neobarocke Oper von Fellner und Helmer aus dem Jahr 1899, vor der Hartmut Skerbischs stählernes Lichtschwert in den Himmel sticht, und im Westen der Stadt das Barockschloss Eggenberg.















