Wer Graz wirklich verstehen will, überquert die Mur. Das Viertel Gries liegt am westlichen Flussufer, direkt gegenüber der Altstadt, und entwickelt sich seit Jahren zu einem der aufregendsten Stadtteile der steirischen Landeshauptstadt. Hier gibt es keine polierten Fassaden für Postkartenmotive – stattdessen begegnet man einer Stadt, die noch im Werden ist. Der Griesplatz ist das Herz des Viertels: ein weitläufiger Platz, der morgens vom Wochenmarkt belebt wird und abends von den Gästen der umliegenden Lokale. Rund um den Platz mischen sich türkische Lebensmittelhändler, bosnische Bäckereien und neu eröffnete Bars zu einem Straßenbild, das authentischer kaum sein könnte. Die Keplerstraße und die Annenstraße – die wichtigste Einkaufsstraße des Viertels – verbinden Gries mit dem Hauptbahnhof und ziehen ein gemischtes Publikum an: Studierende, Familien, Zugezogene aus aller Welt. Architektonisch hält Gries einige Überraschungen bereit. Die Herz-Jesu-Kirche mit ihrer neugotischen Fassade überragt das Viertel weithin sichtbar, während die Heilandskirche als eines der ältesten protestantischen Gotteshäuser der Stadt weniger bekannt, aber historisch umso bedeutsamer ist. Entlang des Murradwegs lässt sich das Viertel vom Wasser aus erleben – die Murinsel, das schwimmende Kunstobjekt aus Stahl und Glas, liegt genau an der Grenze zwischen Gries und der Innenstadt und ist von beiden Ufern gut erreichbar. Gries ist auch ein Viertel der Kontraste: Gründerzeitbauten stehen neben Nachkriegsarchitektur, ein neu gestalteter Spielplatz liegt neben einem alten Gasthaus, das seit Jahrzehnten dieselben Stammgäste hat. Genau diese Reibung macht das Viertel interessant – für Reisende, die nicht nur konsumieren, sondern beobachten wollen. Wer hier übernachtet, wacht morgens zu Straßengeräuschen auf, die nicht für Touristen inszeniert sind.

Mangolds
Vegetarisches Bio-Restaurant in Graz mit täglich wechselndem Buffet aus regionalen und saisonalen Zutaten.