Wer zum ersten Mal über die geschwungene Brücke die Murinsel betritt, braucht einen Moment, um zu begreifen, was hier eigentlich passiert: Man steht auf dem Wasser. Die Mur fließt links und rechts, das Stahlgeflecht unter den Füßen schaukelt kaum merklich, und trotzdem fühlt sich die Insel so fest und selbstverständlich an, als hätte sie hier immer gelegen.
Dabei ist sie vergleichsweise jung. Die Murinsel wurde 2003 anlässlich des Kulturhauptstadtjahres Graz 2003 vom New Yorker Künstler Vito Acconci entworfen und seither ist sie aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken. Die muschelartige Konstruktion aus Stahl und Glas misst rund 50 Meter in der Länge und verbindet die beiden Murufer miteinander – ein begehbares Kunstwerk, das gleichzeitig Amphitheater, Café und Spielplatz ist.
Das Amphitheater im Inneren der Schale ist der ruhigste Ort auf der Insel. Wer sich auf eine der Stufen setzt, schaut direkt auf die Mur und auf die Altstadt mit dem Schlossberg im Hintergrund. Dieses Panorama ist einer der wenigen Blickwinkel in Graz, bei dem sich Wasser, Stadtsilhouette und Grün gleichzeitig im Blickfeld befinden. Besonders am frühen Morgen, wenn Graz noch nicht ganz wach ist, liegt eine ungewöhnliche Stille über der Insel – nur das Rauschen des Flusses ist zu hören.
Das Café auf der Murinsel lädt zu einer Pause ein, bei der man buchstäblich auf dem Wasser sitzt. Getränke und kleine Speisen lassen sich hier mit einem der ungewöhnlichsten Ausblicke der Stadt verbinden. Abends, wenn die Stahlkonstruktion von innen beleuchtet wird, verwandelt sich die Murinsel in ein leuchtendes Objekt auf dem dunklen Fluss – ein Anblick, der sich von der Kunsthaus-Brücke oder vom Murufer aus besonders gut genießen lässt.
Der Weg zur Murinsel ist kurz: Von der Grazer Altstadt und dem Hauptplatz sind es nur wenige Gehminuten. Die Insel ist über zwei Brückenstege von beiden Uferseiten erreichbar, der Eintritt auf die Insel selbst ist kostenlos. Wer das Café besucht, zahlt für Speisen und Getränke zu üblichen Grazer Preisen.