Wo der Berg ins Meer fällt und ein Dorf zur Loge über der Adria wird
Die ganze Adriaküste der Marken ist flach und sandig – bis auf eine einzige Stelle. Bei Sirolo erhebt sich der Monte Conero, ein 572 Meter hoher Kalkrücken, der unvermittelt aus der Ebene wächst und mit weißen Klippen ins Meer abbricht. Diese geologische Laune hat alles geprägt: die Buchten aus hellem Kies statt Sand, das tiefe Türkis des Wassers über dem Kalkgrund, die Steineichenwälder, die bis an die Steilküste reichen. Der Berg verdankt seinen Namen dem griechischen 'komaros', dem Erdbeerbaum, der hier wild wächst. Sirolo selbst sitzt auf einem Vorsprung über dem Wasser – ein mittelalterlicher Ort, dessen Borgo die Malatesta einst befestigten und dessen Gassen heute eine Loge mit Meerblick bilden.
Das Herz des Dorfes ist die Piazzetta, der kleine Hauptplatz, der wie ein Theaterbalkon über der Riviera hängt. Von hier reicht der Blick über die Spiaggia San Michele bis zum Felsen der Due Sorelle, an klaren Tagen bis nach Kroatien. Hinter dem Platz öffnet sich der Borgo: enge Treppengassen, der gotische Bogen der Porta, kleine Läden und Bars, die im Sommer bis nach Mitternacht offen sind. Wenige Schritte weiter liegt das Teatro alle Cave, eine Freilichtbühne in einem aufgelassenen Steinbruch, in der von Juli bis August Theater, Tanz und Konzerte unter dem Sternenhimmel stattfinden – eine der schönsten Bühnen der Adria.
Doch Sirolos eigentliches Reich ist das Wasser. Die berühmteste Bucht, die Spiaggia delle Due Sorelle mit ihren zwei Felsnadeln, lässt sich nur per Boot von Numana aus erreichen; die Strände San Michele und Urbani liegen am Fuß steiler Pfade durch den Wald. Wer den Monte Conero hinauffährt, erreicht das Hotel Monteconero in einer ehemaligen Abtei und sieht von dort die ganze Küste. Auf den Tellern liegt, was die Adria gibt: die moscioli, wilde Miesmuscheln vom Felsgrund des Conero, frischer Brodetto und der kräftige Rosso Conero. travelperfect rät, früh oder spät im Sommer zu kommen, die Buchten am Vormittag zu besuchen und die Abende dem Borgo und seiner Piazzetta zu schenken.
