
◆ STADT · TOSKANA
Montepulciano ist die Stadt, in der die Renaissance auf Wein gebaut ist: Ein einziger ansteigender Corso zieht sich vom Stadttor Porta al Prato hinauf zur Piazza Grande, gesäumt von Palästen, deren Keller tiefer reichen, als ihre Fassaden hoch sind. Unten reift in Tuffgewölben der Vino Nobile, einer der großen Rotweine Italiens, oben öffnet sich der Blick über Val di Chiana und Val d'Orcia bis zum Monte Amiata. Dazwischen liegen ein Dom mit goldenem Altarbild, ein Kaffeehaus von 1868 und Weingüter, die seit Jahrhunderten denselben Familien gehören – und Ende August rollen die Contraden beim Bravìo delle Botti ihre Weinfässer den Berg hinauf.

Montepulciano sitzt seit den Etruskern auf seinem Tuffrücken zwischen Val di Chiana und Val d'Orcia – der Legende nach geht die Stadt auf den Lucumonen Lars Porsenna von Chiusi zurück. Im Mittelalter zerrten Siena und Florenz jahrhundertelang an dem strategischen Hügel, bis sich Montepulciano endgültig Florenz anschloss. Die Medici schickten ihre besten Baumeister: Michelozzo gab dem Palazzo Comunale seine an den Palazzo Vecchio erinnernde Fassade, Antonio da Sangallo der Ältere und später Vignola errichteten die Paläste entlang des Corso. So wurde aus der Bergstadt die 'Perle des Cinquecento' – und mit dem Humanisten Angelo Poliziano, 1454 hier geboren, stellte sie der Renaissance auch einen ihrer größten Dichter.
Die zweite Stadt liegt unter der ersten: In den Tuffstein unter den Palästen sind seit Jahrhunderten Weinkeller gegraben, in denen der Vino Nobile di Montepulciano in großen Holzfässern reift – gekeltert vor allem aus Sangiovese, der hier Prugnolo Gentile heißt. Schon 1685 erklärte der Dichter und Arzt Francesco Redi den Wein Montepulcianos in seinem 'Bacco in Toscana' zum König aller Weine; 1980 gehörte der Nobile zu den ersten Weinen Italiens mit DOCG-Status. Wer heute durch die Gassen läuft, steigt bei Contucci, de' Ricci oder Gattavecchi einfach durch eine offene Tür hinab in die Gewölbe – kaum irgendwo liegen großer Wein und große Architektur näher beieinander.
Dabei ist Montepulciano kein Museum geworden. Am späten Nachmittag füllt die Passeggiata den Corso, im Caffè Poliziano wird seit 1868 Espresso über dem Val di Chiana getrunken, im Juli bespielt das von Hans Werner Henze gegründete Festival Cantiere Internazionale d'Arte Höfe und Plätze. Und am letzten Augustsonntag kippt die Stadt in den Ausnahmezustand: Beim Bravìo delle Botti wuchten Zweierteams der acht Contraden 80 Kilo schwere Weinfässer den anderthalb Kilometer langen Anstieg zur Piazza Grande hinauf. Danach kehrt die Stille zurück – und mit ihr die Nebelmorgen über den Tälern, die den Herbst hier so atmosphärisch machen.
01 · Auf einen Blick
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· Sehenswürdigkeiten
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02 · Was tun
Renaissance & Paläste
Der Aufstieg durch den Corso endet auf einem der schönsten Plätze der Toskana: Dom, Palazzo Comunale mit Michelozzo-Fassade, die Paläste der Contucci und Nobili-Tarugi und der Brunnen mit Greifen und Löwen rahmen die Piazza Grande. Wer die Stadt verstehen will, steigt auf den Rathausturm – das Panorama reicht vom Val di Chiana über das Val d'Orcia bis zum Monte Amiata.
Vino Nobile
Unter Montepulcianos Palästen liegt eine zweite Stadt: Tuffgewölbe, in denen der Vino Nobile reift – einer der ersten DOCG-Weine Italiens, schon 1685 von Francesco Redi zum König aller Weine erklärt. Die Cantine Contucci an der Piazza Grande, die kathedralenartige Cantina de' Ricci und weitere offene Keller entlang des Corso lassen sich bequem zu Fuß verbinden.
Vor die Mauern
Unterhalb der Stadt steht Antonio da Sangallos Travertin-Tempel frei zwischen Zypressen und Feldern – ein Hauptwerk der Hochrenaissance, inspiriert von Bramantes Ideen für den Petersdom. Der Spaziergang hinunter über die Via di San Biagio gehört zum Pflichtprogramm; gegenüber wartet mit La Grotta eine der besten Küchen der Gegend auf das lange Mittagessen.
Val d'Orcia & Val di Chiana
Pienza, die ideale Renaissancestadt Papst Pius' II., liegt nur gut zehn Kilometer westlich; dahinter beginnt das UNESCO-Welterbe Val d'Orcia mit Bagno Vignoni und Montalcino. Richtung Osten warten Cortona und der Trasimenische See. Montepulciano ist die perfekte Basis – mit dem Mietwagen sind alle Ziele in unter einer Stunde erreicht.
03 · Wann
Montepulciano liegt auf gut 600 Metern über zwei Tälern – das macht das Klima frischer und windiger als unten im Val di Chiana. Frühling und Herbst sind die Idealsaisons, der Sommer bringt Festivals und lange Abende, der Winter gehört den Einheimischen, den Kaminen und den Kellern.
04 · Häufige Fragen
Mit dem Auto über die A1 (Ausfahrten Valdichiana oder Chiusi-Chianciano Terme), dann rund 20 Minuten Landstraße. Der nächste größere Bahnhof ist Chiusi-Chianciano Terme an der Linie Florenz–Rom, etwa 20 km entfernt; von dort fahren Busse und Taxis. Montepulcianos eigener kleiner Bahnhof an der Nebenlinie Siena–Chiusi liegt rund 10 km unterhalb der Stadt im Tal. Die nächsten Flughäfen sind Florenz, Perugia und Rom.
Nein – zwei völlig verschiedene Weine, die ständig verwechselt werden: Der Vino Nobile di Montepulciano ist ein DOCG-Wein aus der Toskana, gekeltert überwiegend aus Sangiovese, der hier Prugnolo Gentile heißt. Montepulciano d'Abruzzo ist dagegen nach der Rebsorte Montepulciano benannt und stammt aus den Abruzzen – mit der Stadt hat er nichts zu tun. Vor Ort probierst du den echten Nobile am besten direkt in den historischen Kellern.
Für Corso, Piazza Grande, San Biagio und eine Weinprobe reicht ein voller Tag. Mit zwei bis drei Nächten gewinnt der Ort eine andere Qualität: morgens leere Gassen, abends Aperitivo nach Abreise der Tagesgäste – und tagsüber Ausflüge nach Pienza, ins Val d'Orcia oder nach Cortona.
Viele historische Cantine entlang des Corso und an der Piazza Grande stehen tagsüber offen und lassen sich kostenlos besichtigen. Für geführte Verkostungen mit mehreren Weinen solltest du vorab reservieren – besonders zur Weinlese im September und Oktober und an Wochenenden.
Am letzten Sonntag im August: Dann rollen Zweierteams der acht Contraden rund 80 Kilo schwere Weinfässer den ansteigenden Corso hinauf bis zur Piazza Grande – ein Spektakel mit historischem Umzug, Fahnenwerfern und Festwochen drumherum. Unterkünfte für dieses Wochenende sehr früh buchen.
Ja – kaum ein Ort verbindet Stadt und Landschaft besser: Pienza und das Val d'Orcia liegen Richtung Westen, Cortona und der Trasimenische See im Osten, dazu Montalcino und die Thermen von Bagno Vignoni in Reichweite. Ein Mietwagen ist dafür praktisch; in der Stadt selbst brauchst du ihn nicht.
05 · In der Nähe
Sagen Sie uns, worauf Sie Lust haben — wir planen Ihre Tage in Montepulciano.
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