Wer durch das Tor in den Centro Storico von Gubbio tritt, betritt eine Stadt, die sich dem modernen Tempo konsequent verweigert. Die Gassen aus rosafarbenem Kalkstein klettern den Monte Ingino hinauf, vorbei an Palazzi, die seit dem 13. Jahrhundert stehen, und an kleinen Botteghe, in denen Handwerker noch heute Keramik nach alten Mustern bemalen. Gubbios Altstadt ist kein Freilichtmuseum — sie ist bewohnt, belebt und voller Alltagsgeräusche, die sich mit dem Klang der Kirchenglocken mischen.
Das architektonische Zentrum bildet die Piazza Grande, ein kühner mittelalterlicher Platz, der über dem Stadtgefüge aufzuschweben scheint. An seiner langen Seite erhebt sich der Palazzo dei Consoli, eines der bedeutendsten gotischen Rathäuser Italiens, dessen Fassade im Abendlicht einen warmen Goldton annimmt. Gegenüber steht der Palazzo Pretorio, beide zusammen rahmen einen Platz ein, der für Stadtversammlungen des Mittelalters gebaut wurde und heute noch für das Festa dei Ceri genutzt wird. Wer früh morgens hierherkommt, erlebt die Piazza Grande nahezu menschenleer — nur das Licht und der Stein.
Durch die Via dei Consoli und die Via Baldassini erschließt sich das Viertel schrittweise: Enge Durchgänge, sogenannte Totenportale — schmale Türöffnungen, die laut Überlieferung ausschließlich für Trauerzüge genutzt wurden — unterbrechen die Hausfassaden. Diese architektonische Besonderheit findet sich nirgendwo in Italien so konzentriert wie hier. Über allem thront die Basilica di Sant'Ubaldo, die per Seilbahn erreichbar ist und einen Panoramablick über das gesamte Tiber-Tal bietet.
Für Reisende, die nicht nur Sehenswürdigkeiten abhaken wollen, sondern in das Alltagsleben einer umbrischen Stadt eintauchen möchten, ist der Centro Storico von Gubbio der richtige Ausgangspunkt. Hier übernachten, frühstücken und flanieren bedeutet, sich in einem Rhythmus zu bewegen, der sich seit Generationen kaum verändert hat.

Palazzo dei Consoli
Wahrzeichen Gubbios von 1332 mit Zinnenkranz und Glockenturm, beherbergt das Museo Civico und die berühmten Eugubinischen Tafeln.
Wahrzeichen Gubbios, errichtet ab 1332