Tarragona trägt seine zweitausend Jahre leicht. Über der goldenen Küste der Costa Daurada erhebt sich auf einem Sandsteinhügel das antike Tarraco, einst Hauptstadt der römischen Provinz Hispania Citerior und heute ein UNESCO-Welterbe, das man nicht hinter Glas, sondern unter offenem Himmel erlebt. Das Amphitheater liegt direkt über dem Meer, sodass man von den Rängen aus über die Arena hinweg ins türkise Wasser blickt. Reste des Circus, das Forum und das Prätorium erzählen vom Alltag der Römer, und über allem wachen die mächtigen, megalithischen Stadtmauern aus dem 3. Jahrhundert vor Christus.
Wer durch das gepflasterte Labyrinth der Part Alta, der Oberstadt, steigt, läuft buchstäblich auf antiken Quadern, frühstückt unter den Glocken der Kathedrale und steht eine Viertelstunde später am Geländer des Balcó del Mediterrani, dem berühmten Aussichtsbalkon über dem Meer. Die gotisch-romanische Kathedrale mit ihrem stillen Kreuzgang krönt die Stadt, während sich darunter enge Gassen, kleine Plätze und Vermut-Bars verstecken.
Tarragona ist aber keine bloße Freilichtmuseumsstadt. Unten am Wasser liegt das alte Fischerviertel El Serrallo, wo die Boote ihren Fang anlanden und die Restaurants ihn am selben Tag servieren. Die Strände der Costa Daurada beginnen quasi am Stadtrand, allen voran die lange Platja del Miracle direkt unterhalb der Altstadt. Diese Nähe von Antike und Strand, von Monument und Alltag, macht den besonderen Reiz der Stadt aus.
Auch kulinarisch lohnt sich der Stopp. Im Winter und Frühjahr feiert die Region die Calçots, gegrillte junge Frühlingszwiebeln, die man in Romesco-Sauce taucht. Dazu kommen frischer Fisch, Reisgerichte, Olivenöl aus dem Hinterland und die Weine der nahen Anbaugebiete Priorat und Penedès. Mit der schnellen Bahnverbindung nach Barcelona, die in gut einer Stunde erreichbar ist, eignet sich Tarragona sowohl als entspannter Standort am Meer als auch als lohnender Tagesausflug. Es bleibt eines der am meisten unterschätzten Ziele Kataloniens.