Eine knappe halbe Stunde südlich von Barcelona klettert ein Gewirr kalkweißer Häuser zu einer Kirche auf dem Felsen empor. Die Pfarrkirche Sant Bartomeu i Santa Tecla, von den Einheimischen einfach „La Punta“ genannt, steht auf einem Vorsprung über dem Meer und ist das unverkennbare Wahrzeichen von Sitges. Davor liegen mehr als ein Dutzend Strände und eine breite, palmengesäumte Promenade, der Passeig Marítim, an der sich Spaziergänger, Radler und Strandgänger begegnen.
Sitges war einst ein katalanisches Fischerdorf, das sich um 1900 zum Treffpunkt der Modernisme-Künstler wandelte. Der Maler Santiago Rusiñol machte sein Haus Cau Ferrat zur Werkstatt und Sammlung, heute ein Museum direkt an der Felskante. Die schmalen Gassen der Altstadt mit ihren weiß getünchten Fassaden, blühenden Bougainvilleen und kleinen Galerien bewahren diese Mischung aus mediterraner Schlichtheit und künstlerischer Eleganz bis heute.
Im Lauf des 20. Jahrhunderts wurde der Ort zur weltoffenen Bühne. Sitges gilt als eines der bekanntesten und entspanntesten LGBTQ-freundlichen Reiseziele am Mittelmeer und füllt seinen Kalender mit großen Festen: Der ausgelassene Karneval im Februar gehört zu den lebhaftesten Spaniens, beim Corpus-Christi-Fest verwandeln Blumenteppiche die Straßen in farbige Mosaike, und im Herbst zieht das Sitges Film Festival, ein renommiertes Festival für Fantasy- und Horrorkino, Fans aus aller Welt an.
Trotz all dem hat Sitges seine kleinstädtische Eleganz nie verloren. Man badet an einem der vielen Strände, schlendert über die Promenade, isst frischen Fisch oder katalanische Reisgerichte in einem der Lokale und trinkt zum Aperitif einen Vermut oder ein Glas der lokalen Malvasía, eines süßen Weins mit langer Tradition im Ort. Die Nähe zu Barcelona macht Sitges zum perfekten Tagesausflug, doch wer bleibt, entdeckt einen Ort, der Strandleben, Kultur und Lebensfreude mühelos verbindet.