Wer das Arnulf Rainer Museum in Baden bei Wien betritt, trifft auf eine der eigenwilligsten Künstlerpersönlichkeiten der österreichischen Nachkriegsavantgarde. Arnulf Rainer, geboren 1929, wurde weltberühmt durch seine sogenannten Übermalungen: Fotografien, Drucke und eigene Gemälde, die er mit dichten, expressiven Farbschichten überzog, bis das ursprüngliche Bild kaum noch zu erahnen ist. Was bleibt, ist ein Dialog zwischen Verdecktem und Sichtbarem, zwischen Kontrolle und Geste. Das Museum in der niederösterreichischen Kurstadt widmet sich diesem Werk mit einer Sammlung, die sowohl frühe Arbeiten als auch spätere Werkgruppen umfasst. Das Gebäude selbst ist Teil des Erlebnisses. Der historische Rahmen der Kaiserstadt Baden, bekannt für ihre Thermalbäder und die elegante Biedermeier-Architektur, bildet einen bewussten Kontrast zum radikalen Gestus von Rainers Kunst. Schon beim Eintreten spürt man, dass hier kein konventionelles Museumskonzept wartet: Die Hängung ist dicht, die Atmosphäre konzentriert. Wer sich Zeit nimmt, entdeckt in den Übermalungen immer neue Schichten, Spuren von Körpern, Gesichtern und Textfragmenten, die unter dem Pinselduktus hervorleuchten. Besonders eindrücklich sind die Fotoübermalungen, bei denen Rainer Porträts, darunter Selbstporträts in extremen Körperhaltungen, mit Farbe bearbeitet hat. Diese Werke entstanden ab den 1960er-Jahren und gelten als Schlüsselwerke der europäischen Konzeptkunst. Im Museum kann man sie auf eine Weise betrachten, die in großen Häusern selten möglich ist: nah, ohne Gedränge, mit Muße. Ein Besuch lässt sich hervorragend mit einem Spaziergang durch die Badener Innenstadt verbinden. Das Museum liegt günstig zur Fußgängerzone und zum Kurpark, sodass sich Kunst und Erholung auf natürliche Weise ergänzen. Für Kunstinteressierte, die Wien einen Tagesausflug wert sind, ist Baden mit der Badner Bahn bequem erreichbar, was den Besuch auch ohne Auto problemlos möglich macht.
Besucher erleben eine konzentrierte Sammlung von Übermalungen, Fotoarbeiten und Selbstporträts Arnulf Rainers in ruhiger Museumsatmosphäre. Die Ausstellungsräume ermöglichen einen ungewöhnlich nahen Blick auf die vielschichtigen Werke. Ergänzende Wechselausstellungen und gelegentliche Führungen vertiefen das Verständnis.
Arnulf Rainer, 1929 in Baden bei Wien geboren, zählt zu den einflussreichsten österreichischen Künstlern des 20. Jahrhunderts. Früh wandte er sich von der figurativen Malerei ab und entwickelte ab den 1950er-Jahren seine radikale Praxis der Übermalung, bei der er bestehende Bilder und Fotografien mit expressiven Farbgesten überlagerte. Die Fotoübermalungen der 1960er-Jahre, entstanden in Zusammenarbeit mit dem Fotografen Dieter Asmus, gelten als Schlüsselwerke der europäischen Konzeptkunst. Das Museum in Rainers Geburtsstadt Baden bewahrt und vermittelt dieses Werk in einem historischen Kontext, der die enge Verbindung des Künstlers mit der Region sichtbar macht.
