◆ STADT · LOIRETAL
Man sieht Chambord lange, bevor man es erreicht: über die Wipfel des Sologne-Waldes schiebt sich eine bleiche Silhouette aus Türmen, Laternen und Schornsteinen, die eher an eine ferne Stadt als an ein einzelnes Gebäude denken lässt. Das größte Renaissanceschloss der Loire ist die Größenfantasie eines Zwanzigjährigen: François I. ließ es ab 1519 nicht an einem Strom oder in einer Stadt errichten, sondern mitten in einem Sumpfwald, den er eigens zum königlichen Jagdrevier ummauern ließ. Im Inneren windet sich die berühmte doppelläufige Wendeltreppe empor, deren zwei Spiralen sich umkreisen, ohne sich je zu begegnen – ein Bauwunder, dessen Idee man Leonardo da Vinci zuschreibt, der seine letzten Jahre nur wenige Kilometer entfernt in Amboise verbrachte. Vom Dach aus blickt man über einen steinernen Wald aus Kaminen auf den echten Wald, der bis zum Horizont reicht.
Als François I. 1519 den Grundstein legen ließ, war er gerade 25 Jahre alt und frisch siegreich aus der Schlacht von Marignano zurückgekehrt. Chambord sollte keine Festung sein und kein gewöhnliches Wohnschloss, sondern ein Symbol: ein Bauwerk, das die Macht und den Kunstsinn des neuen Königs in die Wälder der Sologne schrieb. Der Plan ist von beinahe mathematischer Strenge – ein zentraler Bergfried (Donjon) im Grundriss eines griechischen Kreuzes, an dessen Schnittpunkt die doppelläufige Wendeltreppe sitzt. Diese Treppe, die viele für eine Idee Leonardo da Vincis halten, lässt zwei Personen gleichzeitig hinauf- und hinabsteigen, ohne sich je zu begegnen – sie sehen einander nur durch die Fenster des Kerns.
Vollendet wurde Chambord zu Lebzeiten seines Bauherrn nie. François I. hielt sich insgesamt nur wenige Wochen hier auf; das Schloss war zu abgelegen, zu schwer zu beheizen, zu sehr Bühne und zu wenig Heim. Über Jahrhunderte stand es oft leer, diente mal als Geschenk an Günstlinge, mal als Jagdsitz, mal – im Zweiten Weltkrieg – als Versteck für die Kunstschätze des Louvre, darunter die Mona Lisa und die Venus von Milo. Heute gehört es dem französischen Staat und ist als erstes der großen Loireschlösser bereits 1981 in das UNESCO-Welterbe aufgenommen worden.
Was Chambord von Chenonceau oder Amboise unterscheidet, ist seine Einsamkeit. Hier gibt es keine gewachsene Stadt, keine Altstadtgassen, kaum mehr als eine Handvoll Häuser an der Place Saint-Louis. Das eigentliche Gegenüber des Schlosses ist der Wald – der Domaine National, mit einer 32 Kilometer langen Mauer umfasst, der größte umzäunte Forstpark Europas. travelperfect empfiehlt, dem Schloss früh am Morgen oder in der letzten Abendstunde zu begegnen, wenn der Bus-Andrang verebbt ist und sich die weiße Fassade im Wasser des Cosson spiegelt – und sich danach Zeit für den Wald zu nehmen, der das eigentliche Geheimnis dieses Ortes ist.
01 · Auf einen Blick
· Rund um Chambord
· Sehenswürdigkeiten
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· Aktivitäten
· Entdecken & Buchen
02 · Was tun
Schloss & Renaissance
Der klassische Weg führt vom Erdgeschoss über die doppelläufige Wendeltreppe in die königlichen Gemächer und schließlich auf die Dachterrasse, wo man zwischen Türmchen, Laternen und gemeißelten Schornsteinen wie über einer steinernen Stadt steht. Wer mehr Zeit hat, ergänzt die Carrosses-Sammlung und die Wechselausstellungen – und plant den Besuch früh, bevor die Reisebusse eintreffen.
Wald & Wild
Hinter der Schlosskulisse beginnt das eigentliche Chambord: 5.440 Hektar umzäunter Wald, ein nationales Wildreservat mit Rothirschen und Wildschweinen. Auf den freigegebenen Wegen erkundet man ihn zu Fuß, per Leihrad oder Rosalie; von erhöhten Beobachtungsständen lässt sich das Wild beobachten. Im September und Oktober wird die Hirschbrunft – le brame du cerf – zum großen Naturschauspiel, am besten mit geführter Abendtour.
Wasser & Blick
Die schönste Perspektive auf die weiße Fassade hat man nicht vom Vorplatz, sondern vom Wasser. Auf dem kanalisierten Cosson lassen sich Elektroboote und Tretboote mieten, mit denen man am Schloss entlanggleitet und es sich im Spiegel des Flusses verdoppeln sieht. Eine ruhige, kühle Alternative an heißen Sommertagen – und eine der fotogensten Annäherungen an das Monument.
Schlössertour
Chambord lohnt sich als Auftakt einer Schlössertour durch das östliche Loiretal. Nur eine kurze Fahrt entfernt liegen das bewohnte und perfekt möblierte Cheverny, das angeblich Vorbild für Hergés Schloss Mühlenhof, das königliche Blois mit seiner berühmten Wendeltreppe und das verträumte Beauregard mit seiner Porträtgalerie. Mit einem Mietwagen lassen sich zwei bis drei Schlösser an einem Tag verbinden.
03 · Wann
Chambord liegt im milden, kontinental getönten Klima des Loiretals: keine Mittelmeerhitze, dafür echte Jahreszeiten. Der Wald der Sologne macht den Ort im Frühling und Herbst besonders stimmungsvoll, während der Hochsommer die meisten Besucher und die wärmsten Tage bringt. Wer das Wild und die Hirschbrunft erleben will, kommt im September oder Oktober.
04 · Häufige Fragen
Für das Schloss selbst – Innenräume, Doppelwendeltreppe und Dachterrasse – sollte man etwa zwei bis drei Stunden rechnen. Wer zusätzlich den Domaine erkunden, eine Bootsfahrt machen oder Rad fahren möchte, füllt damit gut einen ganzen Tag. Als Etappe einer Schlössertour reicht oft ein Halbtag fürs Schloss, kombiniert mit einem zweiten Schloss am Nachmittag.
Am einfachsten über den Bahnhof Blois-Chambord, der von Paris-Austerlitz in rund 1,5 Stunden erreichbar ist. Von dort fährt in der Saison ein Shuttlebus zu den großen Schlössern der Umgebung, darunter Chambord; alternativ nimmt man ein Taxi oder mietet ein Fahrrad und radelt die rund 15 Kilometer durch den Wald. Ein Mietwagen bleibt für die Schlössertour aber am flexibelsten.
Unbedingt. Der Domaine National de Chambord ist mit 5.440 Hektar der größte umzäunte Forstpark Europas und ein nationales Wildreservat. Auf den freigegebenen Wegen kann man wandern, radeln oder mit Rosalie und Pferdekutsche fahren, von Beobachtungsständen aus Hirsche und Wildschweine sehen. Der Wald ist kostenlos zugänglich und gehört zum Wesen des Ortes – das Schloss allein erzählt nur die halbe Geschichte.
Die Brunft der Rothirsche, le brame du cerf, fällt in der Regel in die zweite Septemberhälfte und den frühen Oktober. In dieser Zeit bietet der Domaine geführte Abend- und Morgentouren an, bei denen man dem Röhren der Hirsche lauscht. Die Plätze sind begehrt und sollten vorab gebucht werden; festes Schuhwerk, warme Kleidung und Stille sind Pflicht.
Sehr gut erreichbar sind Cheverny, dessen prunkvoll möblierte Räume als Vorbild für Hergés Schloss Mühlenhof gelten, das königliche Blois mit seiner berühmten Wendeltreppe sowie Beauregard mit seiner Porträtgalerie und Villesavin, das während des Schlossbaus als Baubüro diente. Etwas weiter liegen Chaumont-sur-Loire mit seinem Gartenfestival und Chenonceau, das Damenschloss über dem Cher.
Ganz sicher belegt ist das nicht. Leonardo verbrachte seine letzten Lebensjahre als Gast von François I. im nahen Amboise und starb dort 1519, im Jahr des Baubeginns von Chambord. Viele Fachleute sehen in der doppelläufigen Wendeltreppe und im Grundrisskonzept seine Handschrift, doch dokumentarisch nachweisen lässt sich seine direkte Mitarbeit nicht. Die Idee, dass sein Geist über Chambord schwebt, gehört dennoch fest zur Geschichte des Schlosses.
05 · In der Nähe
Sagen Sie uns, worauf Sie Lust haben — wir planen Ihre Tage rund um Chambord und das Loiretal.
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