Figueres ist die Stadt, die Salvador Dalí hervorbrachte und die er sich am Ende selbst zurückeroberte. Hinter der mit riesigen Eiern gekrönten, ziegelroten Fassade des Teatre-Museu Dalí, errichtet auf den Ruinen des im Spanischen Bürgerkrieg ausgebrannten Stadttheaters, liegt der Künstler begraben, der hier 1904 geboren wurde. Das Museum ist Dalís letztes und größtes Werk: ein begehbares Gesamtkunstwerk aus optischen Täuschungen, der Mae-West-Installation und dem regnerischen Cadillac im Innenhof. Wer surrealistische Kunst an einem einzigen Ort erleben will, findet hier die dichteste Sammlung der Welt.
Doch wer Figueres auf das Genie reduziert, übersieht eine handfeste katalanische Provinzstadt am Fuß der Pyrenäen. Über den Dächern thront das Castell de Sant Ferran, eine der größten Sternfestungen Europas aus dem 18. Jahrhundert, deren weitläufige Wälle und unterirdische Gänge man begehen kann. Auf der von schattigen Platanen gesäumten Rambla schlägt das Alltagsleben: Cafés, der Wochenmarkt und Menschen, die dem Tramuntana-Wind trotzen, der durch die weite Ebene des Alt Empordà fegt.
Die Region rundherum ist eine Entdeckung für sich. Aus den Hügeln stammt der kräftige Wein der Empordà-Appellation, von der nahen Küste kommen die berühmten gesalzenen Anchovis aus L'Escala. Auf den Tellern landen katalanische Klassiker wie Botifarra-Wurst, Escalivada und Crema Catalana, oft begleitet von Brot mit Tomate und Olivenöl.
Figueres liegt verkehrsgünstig: Mit dem Hochgeschwindigkeitszug ist Barcelona in gut einer Stunde erreichbar, die Strände der Costa Brava und das mittelalterliche Girona sind nur einen kurzen Ausflug entfernt. So lässt sich die Stadt als Tagesausflug erleben oder als ruhigerer Standort, um das Empordà, die Pyrenäen und die Küste in Ruhe zu erkunden. Eine Stadt, in der das Theatralische zum Alltag gehört und die Landschaft ringsum genauso viel erzählt wie ihr berühmtester Sohn.