Wer durch das schmiedeeiserne Eingangstor des Schlosses Esterházy schreitet, betritt einen Ort, an dem europäische Musikgeschichte nicht nur aufbewahrt, sondern einst täglich gelebt wurde. Das mächtige Barockschloss am Rand der burgenländischen Landeshauptstadt Eisenstadt war über Jahrhunderte Machtzentrum, Kulturhof und Residenz der Fürstenfamilie Esterházy – einer der einflussreichsten Adelsfamilien des Habsburgerreiches. Der Bau geht auf eine mittelalterliche Burg zurück, die im 17. Jahrhundert unter Fürst Paul I. Esterházy grundlegend umgestaltet wurde. Der österreichische Barockarchitekt Carlo Carlone sowie später weitere Meister formten das Gebäude in jene vierflügelige Schlossanlage mit den markanten Ecktürmen um, die heute das Stadtbild Eisenstadts prägt. Vier Türme, ein großzügiger Ehrenhof und eine imposante Gartenanlage – das Ensemble vermittelt auch ohne Vorwissen sofort, welche Stellung die Esterházys in der Welt des 17. und 18. Jahrhunderts einnahmen. Das Herzstück des Schlosses ist der Haydnsaal, ein festlicher Konzertsaal von außergewöhnlicher akustischer Qualität. Joseph Haydn, der von 1761 bis 1790 als Hofkapellmeister der Esterházys wirkte, dirigierte hier Uraufführungen eigener Werke. Die Fresken an Decke und Wänden, die mythologische Szenen zeigen, bilden den Rahmen für Konzerte, die bis heute regelmäßig im Saal stattfinden – eine seltene Gelegenheit, Musik dort zu erleben, wo sie einst entstanden ist. Bei einer Führung durch die Prunkräume erschließt sich die ganze Bandbreite fürstlicher Repräsentation: vergoldete Stuckdecken, historische Porträts der Fürstenfamilie, kostbares Mobiliar und Säle, deren Proportionen an Wiener Palais erinnern. Wer die Schlossanlage bei einem Konzertabend erlebt, erlebt zusätzlich, wie sich der Haydnsaal in warmes Kerzenlicht taucht und die Akustik entfaltet, für die er berühmt ist. Der Schlossgarten lädt nach dem Rundgang zum Spaziergang ein – mit Blick auf die symmetrisch angelegten Wege und die Fassade des Schlosses, die je nach Tageszeit in unterschiedlichem Licht erscheint.
Besucher erleben geführte Touren durch vergoldete Prunkräume, den historischen Haydnsaal mit seiner berühmten Akustik sowie wechselnde Ausstellungen zur Geschichte der Fürstenfamilie. Konzertabende im Haydnsaal bieten ein besonderes Klangerlebnis in originalem Barockambiente.
Die Geschichte des Schlosses Esterházy reicht bis ins Mittelalter zurück, als an dieser Stelle eine Burg stand. Im 17. Jahrhundert ließ Fürst Paul I. Esterházy das Gebäude durch Carlo Carlone in eine repräsentative Barockresidenz umgestalten. Die Esterházys zählten zu den mächtigsten Adelsfamilien des Habsburgerreiches und machten Eisenstadt zu einem kulturellen Zentrum. Ihren größten Glanz erlangte die Residenz durch die Anstellung Joseph Haydns als Hofkapellmeister von 1761 bis 1790 – Jahrzehnte, in denen der Komponist hier einen Großteil seines Werkes schuf und uraufführte.
