Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Rust am Neusiedler See
Zu Fuß ist der ganze Ort in zwanzig Minuten durchquert – und trotzdem brauchst du dafür einen halben Tag, weil hinter jedem zweiten Torbogen ein Hof liegt.
Die Fischerkirche liegt etwas abseits am südwestlichen Rand der Altstadt, auf einer leichten Anhöhe hinter einer Wehrmauer, ein niedriger Bau, den man beim ersten Rundgang leicht übersieht. Sie ist das älteste Gebäude von Rust, im Kern mittelalterlich und über Jahrhunderte angestückelt, was sich an den unterschiedlichen Bauteilen, Fenstern und Dachhöhen von außen ablesen lässt. Einen Turm suchst du vergeblich: Der gotische Turm stürzte 1879 ein und wurde nie wieder aufgebaut, geblieben ist der niedrige Stumpf mit seinen Strebepfeilern. Drinnen erwarten dich keine Prunkaltäre, sondern freigelegte Fresken, unebener Boden und eine Stille, die im Sommer umso überraschender kommt, weil dreißig Meter weiter der Betrieb läuft. Geöffnet ist die Kirche in der Regel nur in der wärmeren Jahreshälfte, und immer wieder finden hier Konzerte statt – ein Blick in den Veranstaltungskalender vor der Anreise lohnt sich.
Der Rathausplatz und der anschließende Conradplatz bilden zusammen das Zentrum, wobei beide eher ein langgezogener Straßenraum sind als ein Platz im üblichen Sinn. Links und rechts stehen Bürgerhäuser aus dem 16. bis 18. Jahrhundert, viele mit breiten Torbögen, hinter denen sich tiefe Innenhöfe mit Presshäusern und Kellerabgängen öffnen; dort wurde gearbeitet, gepresst und gelagert, und in etlichen Höfen passiert genau das bis heute. Fast jedes zweite Haus trägt ein Schild mit einem Winzernamen. Wenn du in Rust nur eine Sache machst, dann geh diese beiden Plätze zweimal ab – einmal am Vormittag, wenn die Tore offen stehen, und einmal nach Sonnenuntergang.
Ans Wasser kommst du nicht direkt aus der Altstadt, sondern über einen Damm, der gut einen Kilometer weit durch den Schilfgürtel führt. Am Ende liegen Hafen, Bootsanleger und das Seebad mit Liegewiesen und Stegen – ein eigener kleiner Ortsteil, der im Sommer voller ist als das Zentrum und im Winter fast leer daliegt. Der Neusiedler See ist hier so flach, dass Kinder weit hinauswaten können, und er heizt sich entsprechend schnell auf. Wie viel Wasser tatsächlich steht, schwankt allerdings von Jahr zu Jahr deutlich; in trockenen Sommern ist der Pegel in der ganzen Region ein Dauerthema, und Stege und Badeeinstiege werden entsprechend angepasst.
Landseitig steigt der Ruster Hügelzug an, ein sanfter Rücken, der kaum mehr als hundert Meter über dem Seespiegel liegt und trotzdem für den entscheidenden Blick reicht. Von den Wegen zwischen den Rebzeilen siehst du die Dächer der Altstadt, dahinter das Schilf als breites mattes Band und dahinter die offene Wasserfläche, an klaren Tagen bis zum ungarischen Ufer. Hinauf brauchst du vom Rathausplatz keine halbe Stunde, der Weg ist aber ungeschützt und im Hochsommer entsprechend heiß. Geh früh am Morgen oder erst gegen Abend, wenn die Sonne flach über die Reben fällt und der See seine Farbe wechselt.
Dazu kommen die kleineren Bauten, die man nur findet, wenn man sie sucht. Von der mittelalterlichen Ringmauer stehen noch Reste, im Nordosten der Altstadt der Pulverturm aus dem 16. Jahrhundert als Eckturm dieser Befestigung. Das Stadtmuseum im Kremayr-Haus erzählt die Geschichte der Freistadt und ihres Weins in genau so einem Bürgerhaus, wie du es sonst nur von außen siehst, und neben der Fischerkirche stehen mit der katholischen und der evangelischen Pfarrkirche zwei weitere Kirchen im Ort. Die Öffnungszeiten sind saisonal und teils knapp – frag im Zweifel bei der Tourismusinformation im Ort nach, bevor du den Weg machst.







































