Nürnberg ist eine Stadt der zwei Gesichter, und gerade das macht sie so eindringlich. Über der von einer fast vollständig erhaltenen Stadtmauer umschlossenen Altstadt thront die Kaiserburg, einst eine der bedeutendsten Pfalzen des Heiligen Römischen Reiches. Von ihren Mauern blickt man über ein Meer roter Dächer, aus dem die Türme der gotischen Kirchen St. Sebald und St. Lorenz aufragen. Verwinkelte Gassen, Fachwerkhäuser und die malerische Pegnitz, die mitten durch die Stadt fließt, machen Nürnberg zu einem Inbegriff fränkischer Romantik. Die Stadt war über Jahrhunderte ein europäisches Zentrum für Handel, Handwerk und Kunst. Hier lebte und arbeitete Albrecht Dürer, dessen Wohnhaus am Fuß der Burg heute Museum ist, und hier wurde die erste Taschenuhr und der Globus mit erfunden. Das Germanische Nationalmuseum, das größte kulturgeschichtliche Museum des deutschsprachigen Raums, bewahrt dieses Erbe. Doch Nürnberg trägt auch eine schwere historische Last. Die Stadt war Schauplatz der nationalsozialistischen Reichsparteitage, deren weitläufiges Gelände heute mit dem Dokumentationszentrum als Mahnmal und Lernort dient. Im Saal 600 des Justizpalastes fanden nach dem Krieg die Nürnberger Prozesse statt, die Grundlage für das moderne Völkerstrafrecht. Wer Nürnberg besucht, begegnet beidem: der heiteren Altstadt und der mahnenden Erinnerung. Kulinarisch ist Nürnberg untrennbar mit seinen Spezialitäten verbunden: den fingerkleinen Nürnberger Rostbratwürsten, die traditionell zu sechst auf einem Zinnteller serviert werden, und dem würzigen Nürnberger Lebkuchen. Im Advent verwandelt sich der Hauptmarkt in den Christkindlesmarkt, einen der ältesten und berühmtesten Weihnachtsmärkte der Welt, der jedes Jahr Millionen Besucher anlockt. Dann duftet die ganze Altstadt nach Glühwein, Mandeln und Lebkuchen.
