Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Nürnberg
Zwischen Königstor und Kaiserburg liegen anderthalb Kilometer, und auf dieser einen Achse steht der größte Teil dessen, wofür Nürnberg bekannt ist.
Der Hauptmarkt ist der Bezugspunkt für alles Weitere. An seiner Nordwestecke steht der Schöne Brunnen, eine knapp zwanzig Meter hohe gotische Turmspitze aus dem späten 14. Jahrhundert, die eher aussieht wie ein abgestellter Kirchturm als wie ein Brunnen; im schmiedeeisernen Gitter steckt ein messingfarbener Ring, den Besucher seit Generationen für Glück dreimal drehen. Gegenüber liegt die Frauenkirche mit ihrem gestaffelten Giebel, und täglich um zwölf Uhr setzt sich dort oben das Männleinlaufen in Bewegung – sieben Kurfürsten umkreisen Kaiser Karl IV., ein mechanisches Denkmal an die Goldene Bulle von 1356. Steh dafür ein paar Minuten vorher da, das ganze Schauspiel dauert keine drei Minuten. Dass dieser Platz überhaupt existiert, hat einen finsteren Grund: Er entstand nach dem Pogrom von 1349 auf dem Boden des zerstörten jüdischen Viertels, woran heute eine Tafel erinnert.
Die Pegnitz teilt die Altstadt in zwei Hälften, und jede hat ihre große Stadtpfarrkirche – beide sind Basiliken mit einem weiten, spätgotischen Hallenchor, und genau diese Kombination ist das Nürnberger Kennzeichen. Auf der nördlichen Sebalder Seite steht St. Sebald mit dem Sebaldusgrab, einem messinggegossenen Baldachin von Peter Vischer dem Älteren und seinen Söhnen, an dem die Werkstatt über ein Jahrzehnt arbeitete. Südlich der Museumsbrücke antwortet St. Lorenz mit zwei Werken, für die man den Kopf in den Nacken legt: dem Engelsgruß von Veit Stoß, einer geschnitzten Verkündigungsszene in einem Rosenkranz, die frei über dem Chorraum hängt, und dem filigranen Sakramentshaus von Adam Kraft, das sich als steinerner Turm bis unter das Gewölbe schraubt. Gleich gegenüber steht das Nassauer Haus, Nürnbergs einziger erhaltener mittelalterlicher Wohnturm – fünf Geschosse hoch, mit Eckerkern und Zinnenkranz, wie ihn wohlhabende Nürnberger Familien im 13. Jahrhundert bauten.
Nach Norden steigt die Burgstraße zur Kaiserburg an, und der Weg dorthin ist selbst schon ein Programmpunkt. Am Tiergärtnertorplatz stehen das Fachwerkensemble rund um das schiefe Pilatushaus und das Albrecht-Dürer-Haus, in dem der Maler von 1509 bis zu seinem Tod 1528 lebte und arbeitete – eines der ganz wenigen erhaltenen Bürgerhäuser aus dieser Zeit, drinnen eine rekonstruierte Werkstatt samt Druckerpresse. Ein paar Schritte weiter fällt die Weißgerbergasse zur Pegnitz hinunter, die dichteste Reihe erhaltener Fachwerkhäuser der Stadt; sie überstand den Luftangriff vom Abend des 2. Januar 1945, in dem der größte Teil der Altstadt in Trümmer fiel. Wer abends noch einmal hinaufgeht, hat den Burgfelsen angestrahlt und die halbe Stadt unter sich.
Am Wasser wird es dann fast idyllisch. Das 1332 gestiftete Heilig-Geist-Spital steht mit seinem Anbau auf zwei Bögen mitten in der Pegnitz und ist das meistfotografierte Gebäude der Stadt; flussabwärts führt der überdachte hölzerne Henkersteg vom Unschlittplatz hinüber auf die Trödelmarktinsel, und am Nordufer daneben stehen der runde Wasserturm und der Weinstadel, ein Fachwerkbau aus dem 15. Jahrhundert, den eine zweibogige Sandsteinbrücke mit dem Henkerturm auf der Insel verbindet. Ganz im Süden schließlich, direkt vor dem Germanischen Nationalmuseum, verläuft die Straße der Menschenrechte des israelischen Künstlers Dani Karavan – eine Reihe weißer Betonpfeiler, in die die Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte eingemeißelt sind, jeder in einer anderen Sprache. Zwischen dem Königstor mit dem Handwerkerhof und diesem Punkt liegen gut zehn Gehminuten an der Stadtmauer entlang, und in dieser Spanne kippt Nürnberg vom Souvenirbetrieb in seine eigentliche Aufgabe.








