
◆ STADT · VALENCIANISCHE GEMEINSCHAFT
Eine Skyline wie aus Manhattan, davor zwei kilometerlange Sandbögen und ein winziges, weiß gekalktes Fischerdorf, das alles überlebt hat: Benidorm ist der lauteste, ehrlichste und am meisten missverstandene Badeort Spaniens. Wer hinter die Hochhaus-Kulisse schaut, findet Tapas-Gassen, Klippenpfade und ein Stück europäische Tourismusgeschichte.

Bis in die 1950er-Jahre war Benidorm ein verschlafenes Fischernest auf einer Felszunge zwischen zwei Buchten. Die Männer fuhren zum Thunfisch- und Sardinenfang hinaus, die Frauen flickten Netze, und das ganze Dorf drängte sich um die Kirche von Sant Jaume i Santa Anna mit ihrer blau-weißen Kachelkuppel. Als die Sardinenschwärme ausblieben, traf ein junger Bürgermeister namens Pedro Zaragoza eine folgenschwere Entscheidung: Er setzte alles auf den Tourismus. 1959 verabschiedete er einen Bebauungsplan, der Hochhäuser mit großzügigen Grünflächen dazwischen vorsah – das Gegenteil der dichten Mittelmeerbauweise. So entstand die Skyline, die Benidorm bis heute prägt.
Berühmt wurde Zaragoza durch eine andere Geste: Er erlaubte den Bikini am Strand, als das im Spanien Francos noch ein Skandal war. Die katholische Kirche drohte ihm mit der Exkommunikation, woraufhin er sich angeblich auf seine Vespa setzte, neun Stunden nach Madrid fuhr und sich persönlich von Franco den Rücken stärken ließ. Die Episode ist heute Teil des Gründungsmythos – sie erklärt, warum Benidorm von Anfang an als Ort der Freiheit, der Pauschalreise und des unbeschwerten Vergnügens galt.
Der Boom kam mit den Charterflügen aus Großbritannien, und bis heute ist rund ein Drittel der Gäste britisch – mit eigenen Pubs, Cabaret-Shows und einem ganzen Mythos rund um die Levante-Promenade. Doch zwischen den Türmen hat das alte Benidorm überlebt: der Balcón del Mediterráneo auf dem ehemaligen Burgfelsen, die engen Gassen des Casco Antiguo, die Tapas-Bars der Calle Santo Domingo. Hier sitzt man neben Einheimischen, nicht neben Reisegruppen – und versteht, dass diese Stadt mehr ist als ihr Ruf.
01 · Auf einen Blick
· Stadtviertel





· Sehenswürdigkeiten
· Entdecken & Buchen
02 · Was tun
Altstadt & Tapas
Vom Balcón del Mediterráneo, dem weißen Aussichtsbalkon auf dem alten Burgfelsen zwischen beiden Stränden, führt der Weg in die Gassen des Casco Antiguo. In der Calle Santo Domingo – der Einheimischen-Tapas-Gasse – reihen sich winzige Bars mit gegrilltem Oktopus, Croquetas und Boquerones. Ziel ist die kachelgeschmückte Kirche Sant Jaume i Santa Anna, Heimat der Stadtpatronin Virgen del Sufragio.
Strände & Skyline
Die Playa de Levante ist der laute, jugendliche Bogen mit Promenade, Bars und der Bootsanlegestelle zur vorgelagerten Isla de Benidorm. Die Playa de Poniente ist breiter, ruhiger, familientauglicher – und der beste Ort für den Sonnenuntergang. Dahinter ragen die Türme auf: das bogenförmige Intempo und das Gran Hotel Bali, eines der höchsten Hotels Europas.
Natur & Ausflüge
Der Naturpark Serra Gelada schützt über 300 Meter hohe Steilküsten, Dünenfossilien und das Vogelparadies der Insel; vom Tossal de la Cala reicht der Blick über die ganze Bucht. Ins Hinterland locken das auf einem Felsen thronende Bergdorf Guadalest, die Algar-Wasserfälle und das weiße Künstlerstädtchen Altea – allesamt klassische Tagesausflüge.
03 · Wann
Benidorm zählt zu den wenigen spanischen Badeorten mit ganzjährigem Leben: Die frostfreien Winter und über 300 Sonnentage füllen die Promenaden auch im Januar, während die Sommer dank Seebrise heiß, aber selten drückend sind.
04 · Häufige Fragen
Der Flughafen Alicante-Elche (ALC) liegt rund 50 km südlich. Am bequemsten sind Direktbusse und private Transfers, die in etwa 45–60 Minuten fahren; ein Taxi kostet meist um 70–80 €. Alternativ erreicht man Alicante-Stadt per Bus und steigt dort in die TRAM-Linie 1, eine landschaftlich reizvolle Küstenbahn nach Benidorm.
Die Playa de Levante ist der lebhafte, jüngere Bogen mit Promenade, Bars und Nachtleben. Die Playa de Poniente ist breiter, ruhiger und familienfreundlicher und gilt als bester Ort für den Sonnenuntergang. Dazwischen liegt der felsige Altstadt-Kern mit dem Balcón del Mediterráneo.
Das laute, britisch geprägte Nachtleben rund um die Levante-Promenade ist real, aber nur eine Seite. Daneben gibt es die weiß gekalkte Altstadt mit Einheimischen-Tapas, den Naturpark Serra Gelada, ruhige Familienstrände und ein Bergland-Hinterland. Benidorm lässt sich sehr unterschiedlich erleben.
Trotz internationaler Küche ist die valencianische Tradition lebendig: arroz a banda (Safranreis mit Meeresfrüchten), arroz caldoso con boquerones (Reis in Brühe mit Sardellen) und Fischeintopf. Am besten in den Tapas-Bars der Calle Santo Domingo in der Altstadt, wo viele Lokale seit Jahrzehnten existieren.
Ja. Die kleine, der Küste vorgelagerte Insel gehört zum Naturpark Serra Gelada und ist ein Vogelschutzgebiet. Boote starten regelmäßig vom südlichen Ende der Levante-Promenade und brauchen nur etwa 15–20 Minuten. Beliebt sind Schnorcheln und der kurze Aufstieg mit Blick auf die Skyline.
Klassiker sind das auf einem Felsen thronende Bergdorf Guadalest mit Maurenburg, die Algar-Wasserfälle, das weiße Künstlerstädtchen Altea und der Freizeitpark Terra Mítica. Auch die Klippenwanderung in der Serra Gelada und der Aussichtspunkt Tossal de la Cala sind sehenswerte Halbtagestouren.
05 · In der Nähe
Sagen Sie uns, worauf Sie Lust haben — wir planen Ihre Tage in Benidorm.
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