
◆ STADT · VALENCIANISCHE GEMEINSCHAFT
El Castell de Guadalest klebt 500 Meter über dem Tal an einem grauen Kalkfelsen, und sein weißer Glockenturm scheint dort oben jeden Moment abzustürzen. Der Weg ins historische Oberdorf führt durch ein in den Stein gehauenes Tor, das Portal de San José, hinter dem sich die Ruinen einer maurischen Festung, ein gewölbtes Verlies und der unwirklich blaugrüne Embalse de Guadalest auftun. Knapp 300 Menschen leben hier ständig, und doch ist dieses winzige Dorf im Hinterland der Costa Blanca eines der meistbesuchten Spaniens.

Wer Guadalest verstehen will, muss zuerst begreifen, dass es zwei Dörfer in einem ist. Unten liegt El Arrabal, die Vorstadt, in der sich heute Honiggeschäfte, Mandelgebäck-Läden und ein paar der kuriosesten Kleinmuseen Spaniens drängen. Oben, nur durch den in den Felsen gesprengten Tunnel Portal de San José erreichbar, beginnt El Castell, der mittelalterliche Kern. Dieser Durchgang ist die einzige Pforte ins Oberdorf - im 12. Jahrhundert ließ sich der Ort genau deshalb hier nieder: Ein Angreifer hätte durch dieses Nadelöhr einzeln hindurchgemusst. Tritt man hindurch, öffnet sich der Blick schlagartig auf den Stausee und die Mauern des Castillo de San José.
Die Festung geht auf die maurische Herrschaft des 11. Jahrhunderts zurück, doch ihre Geschichte ist eine der Katastrophen. Das große Erdbeben von 1644 riss halb Guadalest in die Tiefe, und 1708, im Spanischen Erbfolgekrieg, sprengte eine Mine unter den Mauern, was vom Castell noch stand. Nach dem Beben baute die aus dem Baskenland stammende Familie Orduña, einst Verwalter und Statthalter der Burgherren, ihr herrschaftliches Wohnhaus wieder auf. Heute ist die Casa Orduña - seit 1994 in Gemeindehand - ein Museum mit Bibliothek, Möbeln und dem Aufgang zur Burgruine, und von ihren Terrassen reicht der Blick an klaren Tagen bis zum Mittelmeer.
Das ikonische Bild Guadalests aber ist nicht die Burg, sondern der schneeweiße Campanario auf dem Felspfeiler Peñón de la Alcalá - ein freistehender Glockenturm, der getrennt von der barocken Kirche Mare de Déu de l'Assumpció (1740-1753) auf seiner Felsnadel thront. Gleich darunter erzählt das ehemalige Gefängnis im Rathaus eine düsterere Geschichte: In einem Gewölbeverlies tief unter dem Haus saßen einst die Häftlinge ein. Hoch oben, beim Friedhof am höchsten Punkt der Burg, dreht sich der Blick einmal rundum - über den Embalse de Guadalest, die Bergkämme der Aitana und, ganz fern, das Glitzern der Küste.
01 · Auf einen Blick
· Stadtviertel



· Sehenswürdigkeiten
· Entdecken & Buchen
02 · Was tun
Der historische Aufstieg
Durch das Portal de San José ins Oberdorf, vorbei am Gewölbeverlies unter dem Rathaus, hinauf in die Casa Orduña und zur Ruine des Castillo de San José. Am höchsten Punkt, beim alten Friedhof, öffnet sich der 360-Grad-Blick über Stausee, Berge und Küste.
Die kuriose Museumsmeile
El Arrabal versammelt auf engstem Raum eine Sammlung skurriler Kleinmuseen: rund 20.000 Salz- und Pfefferstreuer aus aller Welt, das Micro-Gigante mit einem Kamel im Nadelöhr und das historische Motorradmuseum Vall de Guadalest mit über hundert Maschinen.
Tal, Wasser und Mandelblüte
Unterhalb des Dorfes spannt sich der türkise Embalse de Guadalest, gespeist vom Río Guadalest. Wer mehr Natur sucht, fährt rund 20 Minuten südwärts zu den Fonts de l'Algar, wo Wasserfälle und Gumpen zum Bad einladen, oder wandert in die Sierra de Aitana hinein.
03 · Wann
Guadalest liegt höher und kühler als die Strandorte der Küste - das macht die Übergangsmonate zur schönsten Reisezeit. Der Hochsommer bringt Hitze und volle Parkplätze, der Winter klare, stille Tage und eine fast menschenleere Festung.
04 · Häufige Fragen
El Castell de Guadalest ist ein winziges Bergdorf in der Provinz Alicante, das durch seine maurische Festung Castillo de San José, den freistehenden weißen Glockenturm auf dem Felspfeiler und den darunterliegenden türkisen Stausee berühmt wurde. Obwohl nur knapp 300 Menschen dort leben, gilt es als eines der meistbesuchten Dörfer Spaniens und als beliebtester Tagesausflug der Costa Blanca.
Am bequemsten mit dem Auto: Von Benidorm sind es gut 22 km über die kurvige CV-70 durch das Tal, etwa 45 Minuten Fahrt. Es gibt auch den Linienbus 16, der jedoch nur zwei- bis dreimal täglich in der Saison fährt. Parkplätze liegen am Ortseingang in El Arrabal; ins historische Oberdorf geht es nur zu Fuß durch das Felsentor Portal de San José.
Für das Dorf selbst genügen zwei bis drei Stunden, um durch das Felsentor ins Oberdorf zu steigen, die Casa Orduña und die Burgruine zu besichtigen und eines der kuriosen Museen zu sehen. Wer den Ausflug mit den Algar-Wasserfällen rund 20 Minuten südlich oder einer Wanderung in der Sierra de Aitana verbindet, plant am besten einen ganzen Tag ein.
Trotz seiner Größe hat Guadalest eine erstaunliche Dichte an Kleinmuseen. Dazu zählen die Casa Orduña als Stadtmuseum mit Aufgang zur Burg, das Salz- und Pfefferstreuer-Museum mit rund 20.000 Streuern aus aller Welt, das Micro-Gigante-Museum mit Miniaturen wie einem Kamel im Nadelöhr und das historische Motorradmuseum Vall de Guadalest mit über hundert Maschinen.
Die Küche des Tales ist deftige Bergkost: Reisgerichte wie arroz montañés, der Wintereintopf olleta de blat, Kaninchen in Mandelsauce oder mit all-i-oli sowie herzhafte cocas. Berühmt sind der Berghonig aus Thymian-, Rosmarin- und Mandelblüten, das Mandelgebäck und die süßen Callosa-Nísperos (Mispeln) aus den umliegenden Hainen.
Am schönsten sind Frühling und Herbst sowie die Randmonate Mai, Juni und September: mildes Bergklima, klare Fernsicht über den Stausee bis zum Meer und weniger Reisebusse als im Hochsommer. Der Winter ist kühl, oft sonnig und sehr ruhig, der Hochsommer heiß und am stärksten besucht - dann lohnt eine frühe oder späte Ankunft.
05 · In der Nähe
Sagen Sie uns, worauf Sie Lust haben — wir planen Ihre Tage in Guadalest.
Karte