Wer Maratea wirklich verstehen will, muss den Borgo besuchen – den alten Ortskern, der sich an den Hang des Monte San Biagio schmiegt wie seit Jahrhunderten. Hier oben, wo die Gassen so schmal sind, dass zwei Menschen kaum nebeneinander gehen können, hat die Zeit ein anderes Tempo. Kein Strandverkehr, keine Souvenirläden an jeder Ecke. Stattdessen: verwitterte Steinfassaden, blühende Geranien vor alten Portalen und das leise Läuten einer Kirchenglocke, das sich über die Dächer legt.
Der Borgo ist kein Museum – er ist bewohnt. Ältere Frauen sitzen vor ihren Haustüren, Kinder spielen auf den kleinen Plätzen, und in den Abendstunden duftet es aus offenen Fenstern nach Ragù und frisch gebackenem Brot. Die Piazza del Gesù bildet einen der natürlichen Mittelpunkte des Viertels, umgeben von historischen Gebäuden, die die wechselhafte Geschichte der Stadt erzählen – von byzantinischen Einflüssen über normannische Herrschaft bis zur Neuzeit.
Zahlreiche Kirchen prägen das Bild des Borgo. Die Chiesa di San Biagio, dem Schutzpatron der Stadt geweiht, ist eine der bedeutendsten darunter. Wer die steilen Treppen und Gassen hinaufsteigt, wird mit Panoramen belohnt, die den Blick weit über das Küstengebirge der Basilikata und hinaus aufs Meer freigeben. Noch höher thront die berühmte Cristo Redentore-Statue, die von hier aus ihren vollen Eindruck entfaltet.
Für Reisende, die nicht nur Strand, sondern auch Geschichte und Authentizität suchen, ist der Borgo der interessanteste Teil Marateas. Architekturliebhaber entdecken romanische Details an Kirchenportalen, Fotografen finden in jeder Kurve der Gassen neue Motive, und alle, die einfach langsam reisen wollen, fühlen sich hier sofort angekommen. Die Unterkunftsmöglichkeiten im Borgo sind überschaubar, aber wer hier übernachtet, erlebt Maratea auf eine Weise, die kein Strandhotel bieten kann.

Statua del Cristo Redentore di Maratea
Weiße Marmorstatue mit ausgebreiteten Armen auf dem Monte San Biagio über dem Golf von Policastro.