
◆ STADT · TOSKANA
Lucca verweigert sich der toskanischen Eile. Während Florenz und Pisa die Besucherströme schlucken, dreht diese Stadt seit Jahrhunderten ihre eigenen Runden – am liebsten oben auf der vollständig erhaltenen Stadtmauer, deren 4,2 Kilometer langer Baumring heute Fußgängern und Radfahrern gehört. Darunter liegt ein Gassengeflecht aus römischem Stadtplan und mittelalterlichem Stein: die ovale Piazza dell'Anfiteatro, der Turm mit den Steineichen auf dem Dach, die Marmorfassade von San Michele in Foro. Und über allem schwebt die Musik von Giacomo Puccini, der hier 1858 geboren wurde und dem die Stadt jeden Abend ein Konzert widmet.

Lucca hat sich seine Eigenständigkeit immer etwas trotziger bewahrt als der Rest der Toskana. Als römische Kolonie gegründet, im Mittelalter reich geworden durch Seidenhandel und Bankgeschäfte, behauptete sich die kleine Republik über Jahrhunderte gegen das übermächtige Florenz – bis 1799 blieb Lucca unabhängig, länger als fast jede andere Stadt Italiens. Sichtbarstes Erbe dieses Selbstbewusstseins ist die Stadtmauer: im 16. und 17. Jahrhundert als modernste Verteidigungsanlage ihrer Zeit errichtet und nie ernsthaft angegriffen, wurde sie im 19. Jahrhundert unter Maria Luisa von Bourbon kurzerhand in eine öffentliche Promenade verwandelt, die bis heute der Lieblingsort der Lucchesen ist.
Innerhalb des Rings liegt eine Stadt, die ihren römischen Grundriss nie verloren hat. Die Via Fillungo folgt den antiken Achsen, an der Piazza San Michele lag das Forum, und die Piazza dell'Anfiteatro zeichnet bis heute das Oval des Amphitheaters nach – erst im 19. Jahrhundert ließ der Architekt Lorenzo Nottolini den verbauten Innenraum freilegen. Dazwischen behaupten sich die Zeugen des Mittelalters: der Guinigi-Turm mit seinem Dachgarten aus Steineichen, die Torre delle Ore mit ihrem historischen Uhrwerk und so viele Kirchen, dass Lucca seit jeher die Stadt der hundert Kirchen genannt wird – allen voran der Dom San Martino und die Mosaikfassade von San Frediano.
Und dann ist Lucca eine Stadt der Musik. Luigi Boccherini wurde hier geboren, vor allem aber Giacomo Puccini, dessen Geburtshaus an der Corte San Lorenzo heute Museum ist und dem die Stadt mit dem Festival Puccini e la sua Lucca jeden Abend des Jahres ein Konzert widmet. Im Sommer holt das Lucca Summer Festival internationale Stars in die Stadt, Ende Oktober verwandelt Lucca Comics & Games – eines der größten Festivals für Comics und Spiele weltweit – die gesamte Altstadt in eine Bühne. travelperfect empfiehlt, mindestens eine Nacht zu bleiben: Wenn die Tagesgäste abgereist sind, gehören die Gassen und die Mauer im Abendlicht wieder den Lucchesen – und dir.
01 · Auf einen Blick
· Stadtviertel




· Sehenswürdigkeiten
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02 · Was tun
Das Wahrzeichen
Die 4,2 Kilometer lange Mauerpromenade ist Luccas Bühne: Unter Platanen und Steineichen spazieren, joggen und radeln Einheimische wie Besucher über die elf Bastionen, mit wechselnden Blicken auf Dächer, Türme und die Apuanischen Alpen. Räder gibt es an der Piazza Santa Maria und an mehreren Stadttoren – die reine Runde dauert per Rad rund 20 Minuten, mit Pausen gern einen halben Tag.
Türme & Fassaden
Der Torre Guinigi trägt einen Hain aus Steineichen auf dem Dach, die Torre delle Ore schlägt seit Jahrhunderten die Stunden über der Via Fillungo. Dazwischen staffeln sich die Säulenfassaden von San Michele in Foro und dem Dom San Martino sowie das goldene Mosaik von San Frediano – Luccas romanische Baukunst ist auf wenigen hundert Metern versammelt.
Auf Puccinis Spuren
Vom Geburtshaus an der Corte San Lorenzo mit Originalpartituren und dem Turandot-Flügel über das bronzene Denkmal auf der Piazza Cittadella bis zum Teatro del Giglio: Lucca lebt mit seinem berühmtesten Sohn. Den Abend krönt ein Konzert des Festivals Puccini e la sua Lucca in der Kirche San Giovanni – das ganze Jahr über, jeden Abend.
Lucchesische Küche
Luccas Küche ist erdiger als die der Küste: tordelli lucchesi mit Fleischragout, Zuppa di farro aus dem Dinkel der Garfagnana, Zicklein aus dem Ofen und das Olivenöl der umliegenden Hügel. Zum Abschluss ein Stück Buccellato – das ringförmige Hefegebäck mit Rosinen und Anis, das die Pasticceria Taddeucci an der Piazza San Michele seit 1881 backt.
03 · Wann
Lucca liegt im Binnenland der nördlichen Toskana, geschützt zwischen Apuanischen Alpen und Monte Pisano – die Sommer sind heiß, die Übergangsjahreszeiten mild und grün. Frühling und Herbst sind ideal für die Mauerrunde und die Gassen; wer Ende Oktober kommt, sollte wissen, dass Lucca Comics & Games die Stadt komplett füllt – oder genau deswegen anreisen.
04 · Häufige Fragen
April bis Juni und September bis Oktober: mild, grün und ohne die Hitze des Hochsommers, der in der Serchio-Ebene oft über 30 °C bringt. Ende Oktober/Anfang November füllt das Festival Lucca Comics & Games die Stadt komplett – wer dann nicht für das Festival kommt, weicht besser aus; wer es erleben will, bucht Monate im Voraus.
Die Altstadt lässt sich an einem vollen Tag erlaufen, doch erst mit einer Übernachtung entfaltet Lucca seinen Reiz: abends ein Puccini-Konzert in San Giovanni, morgens die leere Mauerpromenade. Mit zwei bis drei Tagen wird Lucca zudem zur idealen Basis für Pisa (30 Bahnminuten), die Versilia-Küste und die Bergtäler der Garfagnana.
Ja – die 4,2 Kilometer lange Mauerkrone ist eine breite, baumbestandene Promenade, auf der Radfahren ausdrücklich erwünscht ist. Leihräder gibt es unter anderem an der Piazza Santa Maria und nahe der Stadttore, auch Tandems und Kinderräder. Die reine Runde dauert etwa 20 Minuten, mit Fotostopps auf den Bastionen deutlich länger.
Ja, die Anreise ist einfach: Regionalzüge brauchen ab Pisa rund 30 Minuten, ab Florenz etwa 1,5 Stunden, und der Bahnhof liegt direkt vor der Stadtmauer. Für Mauer, Anfiteatro, San Michele und den Dom reicht ein Tag – wer aber bleibt, erlebt die Stadt nach Abfahrt der Tagesgäste von ihrer schönsten Seite.
Tordelli lucchesi – mit Fleisch gefüllte Pasta mit Ragout –, die Zuppa di farro aus Garfagnana-Dinkel und Gerichte mit dem Olivenöl der umliegenden Hügel. Süßes Wahrzeichen ist der Buccellato, ein Hefering mit Rosinen und Anis, den die Pasticceria Taddeucci an der Piazza San Michele seit 1881 backt. Dazu passt ein Rotwein aus den Colline Lucchesi.
Eines der größten Festivals für Comics, Games und Cosplay weltweit, das jedes Jahr Ende Oktober/Anfang November stattfindet. Die gesamte Altstadt wird mit Zelten und Bühnen bespielt, Hunderttausende Besucher kommen – ein spektakuläres Erlebnis, aber Unterkünfte sind dann lange im Voraus ausgebucht und die Preise deutlich höher.
05 · In der Nähe
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