Wer Grado kennt, kennt die belebten Strandpromenaden, die Altstadt mit ihren frühchristlichen Basiliken und den Trubel der Sommersaison. Isola della Schiusa aber liegt einen entscheidenden Schritt abseits davon – eine kleine Insel in der Lagune von Grado, die sich dem schnellen Durchreisenden kaum erschließt. Hier bestimmen Schilfrohre, flache Wasserflächen und der Ruf von Silberreihern den Rhythmus des Tages, nicht Strandbars oder Souvenirläden.
Die Insel gehört zum weitläufigen Lagunensystem, das sich zwischen dem Festland und der Halbinsel Grado erstreckt – einem der bedeutendsten Feuchtgebiete der nördlichen Adria. Wer mit einem kleinen Boot oder per Kajak durch die schmalen Wasserstraßen gleitet, erlebt eine Landschaft, die sich seit Jahrhunderten kaum verändert hat. Das Licht am frühen Morgen, wenn der Nebel noch über dem Wasser liegt und die ersten Fischerboote aus Grado auslaufen, hat eine fast meditative Qualität.
Für Naturbegeisterte und Ruhesuchende ist Isola della Schiusa ein Ort zum Durchatmen. Die Lagune rund um Grado ist als Naturschutzgebiet ausgewiesen, was die Tier- und Pflanzenwelt in einem bemerkenswerten Zustand erhält. Beobachter können neben Silberreihern auch Kormorane, Enten und in den ruhigeren Monaten seltene Zugvögel entdecken. Wer sich Zeit nimmt, wird belohnt – nicht mit spektakulären Einzelattraktionen, sondern mit einer Stimmung, die sich langsam entfaltet.
Die Verbindung zur Geschichte Grados ist ebenfalls spürbar: Die Lagune war einst Lebensgrundlage und Schutzwall zugleich für die Bewohner der Stadt, die im 5. und 6. Jahrhundert vor den Einfällen der Langobarden hierher flohen. Diese Vergangenheit liegt über der Insel wie eine stille zweite Schicht, die dem Besuch eine unerwartete Tiefe gibt.

Laguna di Grado
Weites Lagunenlabyrinth mit Casoni-Fischerhütten und reicher Vogelwelt nördlich der Insel.