Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Triest
Vom Molo Audace bis hinauf auf den Burghügel sind es keine zwei Kilometer Luftlinie – das historische Triest lässt sich zu Fuß abgehen, wenn du die Steigung am Ende einplanst.
Alles beginnt auf der Piazza Unità d'Italia. Der Platz ist der größte zum Meer offene Platz Europas, und genau das macht ihn aus: Drei Seiten sind mit Palästen aus der Habsburgerzeit geschlossen, die vierte hört einfach auf und geht in den Golf über. Stellst du dich mit dem Rücken zum Wasser, schließt geradeaus das Rathaus den Platz, auf dessen Uhrturm zwei bronzene Figuren die Stunden schlagen; linker Hand reihen sich die Präfektur mit ihrer mit Mosaiken belegten Fassade, der Palazzo Stratti, in dem seit dem 19. Jahrhundert das Caffè degli Specchi seine Terrasse aufstellt, und der Palazzo Modello, rechter Hand die Paläste der alten Reedereien. In der Mitte sprudelt die Fontana dei Quattro Continenti, daneben steht die Säule Karls VI. – jenes Kaisers, der Triest 1719 zum Freihafen erklärte und damit alles Weitere in Gang setzte. Abends wird der Platz in kühles Licht getaucht, und dann ist er der Ort, an dem sich die halbe Stadt trifft.
Direkt vor dem Platz führt der Molo Audace gut zweihundert Meter geradewegs ins Meer hinaus. Die Pier wurde auf dem Wrack eines im 18. Jahrhundert gesunkenen Schiffs aufgeschüttet und trägt seit 1922 den Namen des Zerstörers Audace, der hier am 3. November 1918 als erstes italienisches Schiff festmachte; am Ende ist seit 1925 eine bronzene Windrose ins Pflaster eingelassen. Wer abends hinausgeht, hat die Stadt im Rücken, die Karstkante darüber und bei klarer Sicht die Silhouette Istriens gegenüber. Nach Nordwesten läuft das Ufer als Riva Tre Novembre weiter, vorbei an den Fähranlegern und der Stazione Marittima, dahinter beginnen die Zugänge zum Porto Vecchio – dem alten Freihafenareal mit seinen mächtigen Lagerhäusern, das seit Jahren Stück für Stück umgenutzt wird und in dem einzelne Magazine bereits Ausstellungen und Museen beherbergen. In der Gegenrichtung, südöstlich der Pier, reihen sich Riva del Mandracchio und Riva Nazario Sauro mit der alten Fischhalle, dem Salone degli Incanti; das Aquarium nebenan ist seit Jahren wegen einer Sanierung geschlossen, ein Wiedereröffnungstermin steht nicht fest.
Über der Stadt liegt der Colle di San Giusto, der historische Kern der Siedlung. Die Kathedrale San Giusto entstand im 14. Jahrhundert, indem man zwei nebeneinanderstehende ältere Kirchen zu einem Bau zusammenzog – daher die schiefe, asymmetrische Fassade mit der gotischen Fensterrose und dem Glockenturm, in dessen Mauerwerk Reste eines römischen Propylons stecken. Drinnen leuchten in den beiden Seitenapsiden venezianisch-byzantinische Goldmosaike aus dem 12. und 13. Jahrhundert, die zum Besten gehören, was Norditalien an mittelalterlicher Mosaikkunst zu bieten hat. Gleich daneben steht das Castello di San Giusto, zwischen dem 15. und dem 17. Jahrhundert in mehreren Etappen ausgebaut. Der Rundgang über die Bastionen kostet wenig Zeit und liefert den Blick, für den man heraufgekommen ist: Hafen, Piazza, Golf und dahinter der Karst.
Zwei Orte gehören dazu, die nicht auf jeder Kurzliste stehen. Das Museo Revoltella, der Stadtpalast des Barons Pasquale Revoltella, ist seit dem Vermächtnis des Barons ein Museum für moderne Kunst und wurde ab 1963 von Carlo Scarpa in den Nachbarpalast hinein erweitert; historische Wohnräume unten, oben eine Dachterrasse über Hafen und Golf. Und im Süden der Stadt steht die Risiera di San Sabba, eine ehemalige Reisschälfabrik, die die deutsche Besatzung 1943 zum Polizeihaftlager machte – die einzige Anlage dieser Art auf italienischem Boden mit einem Krematorium. Heute ist sie Nationaldenkmal und Museum, sachlich gehalten und ohne jede Inszenierung. Wer verstehen will, warum diese Grenzstadt bis heute an ihrem 20. Jahrhundert arbeitet, sollte eine Stunde dafür einplanen.











































