Wer Udine verstehen will, beginnt auf dem Piazza della Libertà. Der Platz, den Kunsthistoriker gerne als einen der schönsten Renaissance-Plätze Norditaliens bezeichnen, öffnet sich wie ein Freilichtmuseum: die Loggia del Lionello aus dem 15. Jahrhundert in ihrem charakteristischen Rosa-Weiß-Muster, der Uhrturm Torre dell'Orologio mit seinen beiden Mohren-Figuren, die seit Jahrhunderten die Stunden schlagen. Hier beginnt der Morgen mit dem Geruch von Espresso aus den Bars rund um den Platz, und hier endet er oft beim Aperitivo, wenn die letzten Sonnenstrahlen die Fassaden in warmes Gold tauchen.
Das Centro Storico von Udine ist kein museales Kulissenviertel, sondern ein gelebter Stadtraum. Durch die Via Mercatovecchio, die historische Haupteinkaufsstraße, strömen täglich Einheimische zu kleinen Boutiquen, Buchhandlungen und Feinkostläden. Die Gassen dahinter – etwa rund um die Via Vittorio Veneto oder die Piazza Matteotti – zeigen das Viertel von seiner ruhigeren Seite: venezianische Palazzi mit verwitterten Fresken, begrünte Innenhöfe, die man nur durch halboffene Torbögen erahnt.
Auf dem Castello di Udine, das den Hügel über der Altstadt krönt, öffnet sich ein Panorama über die Friauler Ebene bis zu den Voralpen. Der Aufstieg über die geschwungene Rampe dauert nur wenige Minuten, der Blick belohnt mit einem Verständnis für die Lage der Stadt, die sich hier zwischen Alpen und Adria eingefügt hat. Im Inneren beherbergt das Castello die Civici Musei, darunter Werke von Giovanni Battista Tiepolo, der in Udine einige seiner frühen Meisterwerke hinterließ.
Abends verlagert sich das Leben in die Osterie und Enoteche rund um die Piazza Matteotti und die Via Paolo Sarpi. Das Viertel ist für Kulturreisende ebenso interessant wie für Genussreisende – und für alle, die lieber durch echte Stadtquartiere flanieren als durch touristisch überformte Zonen.

Castello di Udine
Die Burg auf dem Schlosshügel beherbergt die Stadtmuseen und bietet ein weites Panorama über das Friaul.