Wer Perugia wirklich verstehen will, verlässt irgendwann die belebte Corso Vannucci und folgt den Stufen hinunter in den Borgo XX Giugno. Das Viertel liegt am südöstlichen Rand der Altstadt, unterhalb der monumentalen Basilica di San Pietro, und trägt seinen Namen nach dem 20. Juni 1859 – dem Tag, an dem Perugia gegen die päpstliche Herrschaft aufbegehrte. Dieser historische Unterton ist bis heute spürbar: Hier wohnen Familien, die seit Generationen dieselben Häuser bewohnen, Studenten der Università degli Studi di Perugia teilen sich schmale Treppenhäuser mit älteren Handwerkern, und die Atmosphäre hat etwas von einem Dorf, das zufällig innerhalb einer Stadtmauer liegt.
Das eigentliche Herzstück des Viertels ist die Basilica di San Pietro mit ihrem schlanken, achteckigen Glockenturm, der weithin sichtbar über die Dächer ragt. Das Benediktinerkloster, dem die Kirche angehört, beherbergt heute die Agrarfakultät der Universität – ein ungewöhnlicher Mix, der dem Ort eine lebendige, unakademische Energie verleiht. Wer durch das große Eingangsportal tritt, findet sich in einem Kreuzgang wieder, dessen Stille in merkwürdigem Kontrast zu den Stimmen der Studierenden auf dem Hof steht.
Die Straße selbst, der Corso Cavour, der in den Borgo übergeht, ist eine der ältesten Achsen Perugias. Entlang dieser Achse reihen sich kleine Alimentari, Weinläden und Bars aneinander, in denen der Cappuccino noch nicht für Touristen aufgeschäumt wird. Besonders am frühen Abend, wenn die Universität die Studierenden auf die Straße entlässt, entwickelt der Borgo eine eigene, ungekünstelte Energie: Gespräche auf Treppenstufen, Vespas, die knatternd durch enge Bögen fahren, und der Geruch von frisch gebackenem Brot aus einer der kleinen Bäckereien.
Gleich neben San Pietro liegt der Giardino del Frontone, ein terrassierter Park mit Blick über das Tibertal und die umbrische Hügellandschaft. Dieser Aussichtspunkt ist unter Einheimischen bekannt, taucht aber in kaum einem Reiseführer auf. Abends bringen Jugendliche Gitarren und Decken mit; im Sommer finden hier gelegentlich Open-Air-Veranstaltungen statt.

Hotel Signa
Unaufgeregtes, gut geführtes 3-Sterne-Stadthotel am Corso Cavour im Borgo XX Giugno, in Gehweite zur Basilika San Pietro und zur Altstadt.