Wer L'Aquila wirklich verstehen will, sollte früh morgens nach Collemaggio gehen, wenn der Nebel noch über dem Parco del Castello liegt und die Fassade der Basilika Santa Maria di Collemaggio im ersten Licht leuchtet. Das Viertel liegt südöstlich des historischen Zentrums und ist durch eine eigentümliche Stille geprägt, die man in touristisch frequentierten Stadtteilen selten findet – eine Stille, die nicht Leere bedeutet, sondern Tiefe.
Das unbestrittene Herzstück ist die Basilika Santa Maria di Collemaggio, eine der bedeutendsten Kirchen Italiens aus dem späten 13. Jahrhundert. Ihre romanisch-gotische Fassade aus weißem und rosafarbenem Stein ist ein Meisterwerk mittelalterlicher Steinmetzkunst – ein Schachbrettmuster aus Kalkstein, das je nach Tageszeit und Lichteinfall ganz anders wirkt. Hier wurde 1294 Papst Coelestin V. gekrönt, und noch heute zieht die sogenannte Perdonanza Celestiniana, ein UNESCO-immaterielles Kulturerbe, jedes Jahr im August Tausende von Gläubigen und Kulturinteressierten aus ganz Europa an.
Rund um die Basilika erstreckt sich ein weitläufiges Parkgelände, das bei den Aquilanern als beliebter Ort für Morgenspaziergänge und Nachmittagspausen gilt. Studierende der nahe gelegenen Università degli Studi dell'Aquila nutzen das Viertel intensiv – Collemaggio hat dadurch eine lebendige, aber nie laute Energie. Kleine Bars und Cafés in den angrenzenden Straßen füllen sich in den Mittagsstunden mit Professoren, Studierenden und Anwohnern.
Das Erdbeben von 2009 hat auch in Collemaggio Spuren hinterlassen: Die Basilika selbst wurde schwer beschädigt und über Jahre aufwendig restauriert. Wer heute durch das Viertel geht, sieht sowohl sorgfältig wiederhergestellte Fassaden als auch Gebäude, die noch auf ihre Sanierung warten – ein ehrliches Bild einer Stadt im langen Prozess der Erneuerung. Dieser Kontext macht Collemaggio zu einem Ort, der nicht nur schön ist, sondern auch etwas zu erzählen hat.

Basilica di Santa Maria di Collemaggio
L'Aquilas spirituelles Wahrzeichen – rosa-weiße Basilika und Ursprung des ältesten Ablassfests der Welt.