Wer Urbino nur von der Höhe des Palazzo Ducale kennt, hat die Stadt noch nicht wirklich erlebt. Borgo Mercatale liegt unterhalb der Renaissancemauern, dort wo die steilen Gassen der Altstadt auf die breitere Ebene treffen – und wo das Urbino jenseits der Touristenströme seinen Rhythmus findet.
Das Viertel trägt seinen Namen nicht ohne Grund: Hier wurde seit Jahrhunderten gehandelt, getauscht und verhandelt. Der weitläufige Platz, der dem Borgo seinen Namen gibt, war einst Umschlagplatz für Waren aus dem Hinterland der Marken. Heute ist er vor allem Startpunkt für Spaziergänge in die Oberstadt – und Treffpunkt für Einheimische, die den Abend an der frischen Luft verbringen, während die Abendsonne die Stadtmauern golden färbt.
Von Borgo Mercatale aus führt der berühmte Aufzug – eine technische Besonderheit Urbinos – direkt hinauf in die Altstadt, vorbei an den Bastionen des Palazzo Ducale. Diese unterirdische Verbindung macht das Viertel zum praktischen Ausgangspunkt für jeden Besuch des UNESCO-Welterbes. Wer morgens früh hier steht, bevor die Reisebusse eintreffen, erlebt die Stadt in einer Stille, die kaum zu glauben ist.
Die Atmosphäre im Borgo Mercatale ist bodenständig und ungekünstelt. Kleine Bars öffnen früh ihre Türen für Espresso und Cornetto, Studenten der Università degli Studi di Urbino überqueren den Platz mit Rucksäcken auf dem Weg zur Vorlesung, und ältere Männer diskutieren auf Bänken die Neuigkeiten des Tages. Diese Mischung aus Studentenleben und lokaler Alltagskultur gibt dem Viertel eine Energie, die sich deutlich von der musealen Stimmung der Oberstadt unterscheidet.
Für Reisende, die nicht nur Sehenswürdigkeiten abhaken, sondern das Lebensgefühl einer mittelitalienischen Universitätsstadt spüren wollen, ist Borgo Mercatale der richtige Ort zum Ankommen. Hotels und Pensionen hier bieten oft günstigere Preise als in der Altstadt – und den Vorteil, das Auto direkt vor der Tür parken zu können, was in Urbinos engen Gassen sonst kaum möglich ist.

Rampa Elicoidale del Mamiani (Data)
Federicos spiralförmige Pferderampe im Fels unter dem Palazzo Ducale, vom Borgo Mercatale begehbar.