
◆ STADT · TOSKANA
Arezzo ist die Toskana ohne Gedränge: eine wohlhabende, selbstbewusste Stadt im Südosten der Region, die Reisende auf dem Weg zwischen Florenz und Rom viel zu oft links liegen lassen. Dabei verwahrt die Basilica San Francesco mit Piero della Francescas Freskenzyklus der Kreuzlegende eines der größten Kunstwerke des 15. Jahrhunderts, fällt die Piazza Grande so fotogen schief ab wie kaum ein zweiter Platz Italiens, und am ersten Wochenende jedes Monats verwandelt die Fiera Antiquaria die ganze Altstadt in ein Freiluft-Antiquariat. Dass Roberto Benigni hier „La vita è bella“ drehte, wundert nicht – Arezzo sieht bis heute aus wie eine Filmkulisse, in der zufällig gelebt wird.

Arezzo war reich, bevor die Toskana berühmt wurde. Als eine der mächtigsten Städte des etruskischen Zwölfstädtebundes brachte sie Meisterwerke wie die bronzene Chimäre hervor, die 1553 vor den Stadtmauern ausgegraben wurde und heute in Florenz steht. Unter Rom wurde Arretium für seine korallenrote Terra-sigillata-Keramik in der halben antiken Welt bekannt, und mit Gaius Cilnius Maecenas stammt jener Mann aus der Stadt, dessen Name bis heute für Kunstförderung steht. Das Mittelalter machte Arezzo zur selbstbewussten Kommune mit Turmhäusern und eigener Universität – bis die Niederlage von Campaldino 1289 und der Verkauf der Stadt an Florenz 1384 die große Eigenständigkeit beendeten.
Kaum eine Stadt dieser Größe hat der Kulturgeschichte mehr geschenkt: Guido d'Arezzo entwickelte hier im 11. Jahrhundert die Notenschrift, die Musik erstmals exakt lesbar machte. Francesco Petrarca, der Vater des Humanismus, kam 1304 in der Oberstadt zur Welt, Giorgio Vasari, Maler, Architekt und Erfinder der Kunstgeschichtsschreibung, 1511. Und mitten im 15. Jahrhundert schuf Piero della Francesca im Chor von San Francesco die „Legende des Wahren Kreuzes“ – einen Freskenzyklus, dessen kühle Geometrie und stilles Licht Künstler bis in die Moderne beschäftigt haben. Wer davor steht, begreift, warum Kunsthistoriker eigens für diese Kapelle nach Arezzo pilgern.
Heute lebt Arezzo gut von Dingen, die Bestand haben: Die Stadt ist eines der wichtigsten Zentren der italienischen Goldschmiedekunst, und seit 1968 verwandelt die vom Antiquar Ivan Bruschi begründete Fiera Antiquaria an jedem ersten Wochenende des Monats die Piazza Grande und die Altstadtgassen in Italiens vielleicht stimmungsvollsten Antiquitätenmarkt. Zweimal im Jahr reiten die vier Stadtquartiere bei der Giostra del Saracino gegeneinander an, im Juni bei Flutlicht, im September am Nachmittag. Und weil Roberto Benigni 1997 weite Teile von „La vita è bella“ zwischen Corso Italia und Piazza Grande drehte, kommt einem die Stadt schon beim ersten Spaziergang seltsam vertraut vor.
01 · Auf einen Blick
· Sehenswürdigkeiten
· Aktivitäten
· Entdecken & Buchen
02 · Was tun
Renaissance & Fresken
In der Cappella Bacci von San Francesco entfaltet sich die „Legende des Wahren Kreuzes“, im Dom wartet Pieros stille Maria Magdalena. Wer dem Maler weiter folgen will, fährt den Piero-della-Francesca-Weg ins Valtiberina: nach Monterchi zur Madonna del Parto und in seine Geburtsstadt Sansepolcro – beide in unter einer Stunde erreichbar.
Märkte & Handwerk
Seit 1968 breitet sich die Fiera Antiquaria am ersten Wochenende jedes Monats über Piazza Grande und Altstadtgassen aus – von barocken Kommoden bis zu Bakelit-Radios. Dazwischen erzählt die Casa Museo Ivan Bruschi vom Begründer des Marktes, und die Schaufenster der Goldschmiede erinnern daran, dass Arezzo bis heute vom Gold lebt.
Kino & Kulisse
Roberto Benigni drehte sein oscarprämiertes „La vita è bella“ 1997 in den Gassen seiner Heimatprovinz: auf der Piazza Grande, am Corso, vor dem Caffè dei Costanti. Dazu passt der Besuch der Casa Vasari, in der der Erfinder der Kunstgeschichtsschreibung seine eigenen Wände ausmalte – Arezzo war immer schon Bühne.
Feste & Tradition
Zweimal im Jahr verwandelt sich die Piazza Grande in eine Turnierbahn: Die Reiter der vier Stadtquartiere galoppieren mit eingelegter Lanze auf die Figur des „Sarazenen“ zu, begleitet von Fahnenwerfern, Trommeln und einem historischen Umzug durch die ganze Stadt. Im Juni wird abends bei Flutlicht geritten, Anfang September am Nachmittag.
03 · Wann
Arezzo liegt im hügeligen Binnenland der Toskana – die Sommer sind heiß, aber trockener und abends kühler als an der Küste, die Winter spürbar frischer als in Florenz. Frühling und Herbst sind die verlässlichen Idealsaisons. Wer Termine sucht: am ersten Wochenende jedes Monats die Fiera Antiquaria, Ende Juni und Anfang September die Giostra del Saracino – dann früh buchen.
04 · Häufige Fragen
Die Fiera Antiquaria läuft an jedem ersten Wochenende des Monats (Samstag und Sonntag) auf der Piazza Grande und in den umliegenden Gassen. Sie wurde 1968 vom Antiquar Ivan Bruschi begründet und zählt zu den größten und ältesten Antiquitätenmärkten Italiens. Wer in Ruhe stöbern will, kommt früh am Samstagmorgen – Hotels in der Altstadt sind an diesen Wochenenden gefragt.
Ja. Die Cappella Bacci in der Basilica San Francesco ist nur mit Zeitfenster-Ticket und in kleinen Gruppen zugänglich, um die Fresken zu schonen. In der Hauptsaison sind die Slots schnell vergriffen – am besten einige Tage im Voraus online reservieren. Das Kirchenschiff selbst ist frei zugänglich, Pieros Maria Magdalena im Dom ebenfalls.
Für die Altstadt mit Cappella Bacci, Piazza Grande, Pieve, Dom und Casa Vasari reicht ein voller Tag. Lohnender sind zwei: Dann bleibt Zeit für den Passeggio del Prato, das Archäologische Museum am römischen Amphitheater und einen Ausflug – etwa nach Cortona, ins Casentino oder auf dem Piero-della-Francesca-Weg nach Monterchi und Sansepolcro.
Am einfachsten mit dem Zug: Arezzo liegt an der Hauptlinie Florenz–Rom, Regionalzüge ab Florenz brauchen rund eine Stunde, ab Rom etwa zwei. Mit dem Auto nimmst du die A1 bis zur Ausfahrt Arezzo; in der Altstadt gilt eine verkehrsberuhigte Zone, daher am Rand parken – vom Parkplatz Pietri führen Rolltreppen in die Oberstadt.
Zweimal im Jahr: an einem Samstagabend Ende Juni (bei Flutlicht) und am ersten Sonntag im September am Nachmittag. Die Reiter der vier historischen Stadtquartiere treten auf der Piazza Grande mit der Lanze gegen die Figur des Sarazenen an, begleitet von Umzug und Fahnenwerfern. Tribünenplätze sind begehrt und sollten früh gesichert werden.
Gerade als Kontrast: Arezzo hat Kunst von Weltrang – Piero della Francesca, Cimabue, Vasari –, aber nur einen Bruchteil der Besucherströme. Die Stadt wirkt gelebt statt musealisiert, die Preise sind moderater, und mit Bahnanschluss an Florenz und Rom eignet sie sich auch als ruhige Basis für die Südost-Toskana.
05 · In der Nähe
Sagen Sie uns, worauf Sie Lust haben — wir planen Ihre Tage in Arezzo und der Südost-Toskana.
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