Wer vom Domplatz aus den Blick hebt, versteht sofort, warum der Salzburger Dom seit über 400 Jahren die Menschen in seinen Bann zieht. Die mächtige Fassade aus hellem Untersberger Marmor, flankiert von zwei markanten Türmen, die jeweils 79 Meter in den Salzburger Himmel ragen, empfängt Besucher mit einer Wucht, die selbst bei grauem Wetter beeindruckt. Drei Bronzeportale, geschaffen im 20. Jahrhundert und den Tugenden Glaube, Hoffnung und Liebe gewidmet, öffnen sich zum Kircheninneren — einem Raum, der den Übergang vom Tageslicht in eine andere Welt markiert.
Im Inneren entfaltet sich die Kraft des Frühbarocks in ihrer reinsten Form. Das Langhaus mit seinen gewaltigen Stuckdecken, die Fresken im Kuppelbereich und der strahlend weiße Hochaltar schaffen eine Atmosphäre, die zwischen Andacht und staunender Bewunderung pendelt. Besonders der Blick nach oben lohnt sich: Die Kuppelmalereien, die Szenen aus dem Leben der Apostel zeigen, wurden nach schweren Kriegsschäden im Zweiten Weltkrieg aufwendig restauriert. An einem sonnigen Vormittag fällt das Licht durch die hohen Fenster so, dass die Stuckaturen geradezu plastisch wirken — ein Moment, der sich tief einprägt.
Geschichtlich ist der Dom untrennbar mit Wolfgang Amadeus Mozart verbunden: Im Taufbecken aus dem Jahr 1321, das heute noch im Dom steht, wurde Mozart am 28. Januar 1756 getauft. Dieser schlichte Stein ist vielleicht der berührendste Gegenstand im gesamten Gebäude — nicht wegen seiner Größe, sondern wegen der Stille, die ihn umgibt, während Besucher aus aller Welt davor innehalten.
Unterhalb der Kirche lohnt der Besuch der Domkrypta, in der Salzburger Erzbischöfe ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Das Dommuseum, direkt zugänglich vom Kircheninneren, bewahrt eine der ältesten Kunstsammlungen Österreichs und zeigt sakrale Goldschmiedearbeiten, Gemälde und liturgische Objekte, die den Reichtum des Erzbistums über die Jahrhunderte dokumentieren.
Der Domplatz selbst ist im Sommer Bühne für die weltberühmten Salzburger Festspiele, wo Jedermann seit Jahrzehnten aufgeführt wird. Dann verwandelt sich der Platz vor der Westfassade in einen Theaterraum unter freiem Himmel — eine Kulisse, die kein Bühnenbildner besser erfinden könnte.