Wer Sankt Johann im Pongau zum ersten Mal besucht, wird überrascht sein: Keine verschlafene Bergidylle, sondern eine selbstbewusste Alpenstadt, die als Bezirkshauptstadt des Pongaus eine eigene Gravität besitzt. Der Blick vom Bahnhofsvorplatz fällt unweigerlich auf die mächtige Pfarrkirche, den sogenannten Pongauer Dom – ein gotisches Bauwerk, das mit seinen zwei Türmen über die Dächer der Stadt ragt und schon von Weitem signalisiert: Hier ist Substanz. Die Altstadt rund um den Hauptplatz lädt nicht mit Touristenbuden, sondern mit echtem Alltagsleben: Bäcker, Metzger und Kaffeehäuser, in denen die Einheimischen am Morgen ihre Zeitung lesen. Wer früh aufsteht und durch die Gassen zwischen Hauptplatz und Kirchgasse schlendert, erlebt eine Stadt, die noch nicht für Besucher inszeniert wirkt – und gerade deshalb authentisch ist. Das eigentliche Pfund, mit dem Sankt Johann wuchert, liegt in seiner Lage: Die Stadt ist Ausgangspunkt für die Liechtensteinklamm, eine der tiefsten Wasserfallschluchten der Alpen. Der Weg durch den engen Felskoridor, wo das Wasser tosend in die Tiefe stürzt und das Licht kaum eindringt, ist ein Naturerlebnis, das sich von keiner Postkarte einfangen lässt. Wer im Sommer hierherkommt, sollte früh morgens aufbrechen – dann hat man die Klamm noch fast für sich. Im Winter verwandelt sich das Umland in ein weitläufiges Skigebiet: Das Ski amadé-Verbundsystem, eines der größten Europas, ist von Sankt Johann aus direkt erreichbar. Die Pisten rund um Alpendorf bieten Abfahrten für alle Könnerstufen, und nach dem letzten Lift kehrt man in Gasthäuser ein, die noch echte Stuben und keine Après-Ski-Kulissen sind. Frühling und Herbst gehören den Wanderern: Die Bergwelt des Pongaus zeigt sich dann in klarem Licht, die Hütten sind noch geöffnet, und die Wege sind frei von Menschenmassen. Sankt Johann ist kein Ziel für einen Stempel im Reisepass – es ist ein Ort, an dem man versteht, warum Menschen im Salzburgerland leben wollen.



